Ein Entzug kann Beschwerden auslösen, wenn eine regelmäßig eingenommene Substanz reduziert oder abgesetzt wird und sich der Körper daran angepasst hat. Körperliche Abhängigkeit kann auch bei bestimmungsgemäßer Medikamenteneinnahme entstehen und ist nicht dasselbe wie eine Suchterkrankung. Medizinische Entzugsbehandlung lindert Beschwerden und überwacht Risiken; sie ist nur ein möglicher Bestandteil einer längerfristigen Suchtbehandlung.
Je intensiver die Wissenschaft und Forschung dem Phänomen der Entstehung einer Sucht oder Abhängigkeit versucht auf den Grund zu gehen, desto weniger ist eine eindeutige wissenschaftliche Ursache in Sicht. Scheinbar wirken immer zahlreiche Faktoren nebeneinander bei der Entstehung einer Sucht zusammen. Auch die Persönlichkeit des Betroffenen, sein soziales Umfeld, die Art der Droge und deren Verfügbarkeit spielen eine entscheidende Rolle.
Vor einer Behandlung werden die verwendeten Substanzen, Dosis, Dauer, frühere Entzüge, Begleiterkrankungen und die aktuelle Sicherheit beurteilt. Daraus entsteht ein individueller Plan. Unterstützung ist auch möglich, wenn jemand noch unsicher ist, ob und wie er sein Verhalten verändern möchte.
Man muss sich nicht zuerst selbst als süchtig bezeichnen oder völlige Entschlossenheit beweisen, um Hilfe zu erhalten. Ein erstes Gespräch kann Sorgen, Behandlungsziele und mögliche nächste Schritte klären. Bei medizinischen Notfällen hat die unmittelbare Sicherheit Vorrang.
Angehörige können zuhören, Unterstützung anbieten und eigene Grenzen wahren. Eine Suchterkrankung ist kein Beweis für mangelnde Willenskraft, und Angehörige tragen nicht die Verantwortung dafür, ob jemand genest. Bei drohender Selbst- oder Fremdgefährdung sollte professionelle Hilfe eingeschaltet werden.
Veränderungen können schwerfallen, wenn Substanzkonsum oder ein Verhalten mit kurzfristiger Erleichterung und eingeübten Gewohnheiten verbunden sind. Die medizinischen Risiken eines Substanzentzugs unterscheiden sich jedoch deutlich von Beschwerden beim Beenden eines problematischen Verhaltens.
Craving, Stress, körperliche Anpassung und das soziale Umfeld können eine Rolle spielen. Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab.
Die Sicherheit hängt stark von der Substanz und der Vorgeschichte ab. Ein abrupter Alkohol- oder Benzodiazepinentzug kann lebensgefährliche Krampfanfälle oder ein Delir verursachen. Wer regelmäßig größere Mengen Alkohol oder abhängig machende Medikamente einnimmt, sollte vor einer deutlichen Reduktion ärztlichen Rat einholen.
Bei Nikotinabhängigkeit können Selbsthilfe und zugelassene Entwöhnungshilfen nützlich sein; bei problematischem Glücksspiel kann Beratung unterstützen. Das lässt sich nicht auf Alkohol, Benzodiazepine oder Opioide übertragen. Verordnete Medikamente nicht eigenständig abrupt absetzen.
Beratung und passende Behandlung können Beschwerden lindern und die langfristige Veränderung unterstützen. Sie garantieren weder einen kurzen Entzug noch dauerhafte Abstinenz. Bei Opioidabhängigkeit können Medikamente wie Buprenorphin oder Methadon wichtiger Teil der Behandlung sein.
Ob und in welchem Umfang Kosten übernommen werden, hängt von Versicherung, Behandlungsart, Anbieter und erforderlicher Genehmigung ab. Die Kostenübernahme sollte vor einer geplanten Aufnahme direkt geklärt werden.
Beratungsstellen
Eine gute Anlaufstelle für Betroffene oder Familienangehörige sind auch Beratungsstellen, die inzwischen ja auch in jeder größeren Stadt zu finden sind. Viele haben weniger Hemmungen hier mit einem Berater zu sprechen als gleich zu einem Arzt oder eine Klinik zu laufen. Beratungsstellen können wichtige Informationen zur Selbsthilfe geben, aber sie kennen in der Regel auch alle weiteren regionalen Angebote und Adressen von Selbsthilfegruppen, aber auch Fachärzten und Kliniken.
Selbsthilfegruppen können Menschen in unterschiedlichen Phasen unterstützen, unabhängig davon, wie stark ihre Motivation gerade ist. Sie ergänzen professionelle Hilfe, ersetzen aber keine medizinische Behandlung eines gefährlichen Entzugs. Beratungsstellen können Kontakte vermitteln, etwa zu den Anonymen Alkoholikern.
Ambulante Behandlung
Eine ambulante Entzugsbehandlung kommt nach ärztlicher Risikoprüfung infrage, wenn regelmäßige Kontrollen, Unterstützung und ein Notfallplan gewährleistet sind. Psychotherapie und Beratung können sie ergänzen. Nach der akuten Phase richtet sich die weitere Behandlung nach den individuellen Zielen und dem Rückfallrisiko.
Stationäre Behandlung
Stationäre Behandlung kann bei erhöhtem Komplikationsrisiko, früheren Krampfanfällen oder Delir, schweren Begleiterkrankungen, fehlender Sicherheit zu Hause oder akutem psychiatrischem Risiko nötig sein. Nicht jede Alkohol- oder Drogenabhängigkeit erfordert automatisch einen Klinikaufenthalt; die Entscheidung erfolgt nach fachlicher Einschätzung.
Eine Besonderheit ist noch die teilstationären Behandlung, auch als Tagesklinik bekannt. Betroffene verbringen hier nur den Tag in der Klinik und beringen die Nacht zu Hause.
Die Behandlung richtet sich nach der Substanz, dem körperlichen und psychischen Zustand und den Lebensumständen. Belastungen bei problematischen Verhaltensweisen sind ernst zu nehmen, aber nicht mit jedem körperlichen Substanzentzug gleichzusetzen.
Bei regelmäßigem Konsum bestimmter Substanzen passt sich das Nervensystem an. Nach einer Reduktion können zum Beispiel Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Schlafstörungen oder Unruhe auftreten. Art und Schwere unterscheiden sich stark; Alkohol und Benzodiazepine können auch Krampfanfälle oder ein Delir auslösen.
Problematisches Glücksspiel oder andere belastende Verhaltensmuster können mit starkem Drang und Schwierigkeiten bei der Kontrolle verbunden sein. Eine fachliche Einschätzung klärt, ob eine anerkannte Störung vorliegt und welche Unterstützung sinnvoll ist.
Beim Verändern eines solchen Verhaltens können Unruhe, Gereiztheit oder Schlafprobleme auftreten. Das bedeutet nicht, dass dieselben körperlichen Entzugsrisiken wie bei Alkohol oder Benzodiazepinen bestehen.
Depressive Stimmung und Suizidgedanken müssen unabhängig von ihrer Ursache ernst genommen werden. Bei unmittelbarer Gefahr, Krampfanfällen, ausgeprägter Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit: 112 oder den örtlichen Notruf wählen.
Bei erwarteten oder bereits auftretenden Entzugssymptomen sollte ärztlich geklärt werden, ob ambulante Betreuung ausreicht oder eine Klinik erforderlich ist. Frühere schwere Entzüge und gleichzeitig eingenommene Substanzen sind wichtige Angaben.
Starke Angst, anhaltende Schlaflosigkeit, Depression oder Suizidgedanken brauchen rasche professionelle Einschätzung. Nicht jeder Entzug führt zu einer Depression; Beschwerden können verschiedene Ursachen haben.
Wie kann man sich den Verlauf einer Entzugstherapie vorstellen?
Die Behandlung kann mehrere, sich überschneidende Schritte umfassen. Reihenfolge, Dauer und Versorgungsort werden individuell geplant; nicht jeder Mensch braucht jeden Schritt.
Phase 1 – Kontaktaufnahme und gemeinsame Behandlungsplanung
Eine Beratungsstelle, Hausarztpraxis oder spezialisierte Einrichtung kann auch bei Unsicherheit ein erster Kontakt sein. Ziele und sichere nächste Schritte werden gemeinsam geklärt.
Phase 2 – der eigentliche Entzug / Entgiftung (bei Substanzen) / Entwöhnung
Die Dauer hängt von Substanz, Dosis, Einnahmedauer und dem individuellen Verlauf ab. Akute Beschwerden können Tage oder Wochen anhalten; ein langsames Ausschleichen bestimmter Medikamente kann wesentlich länger dauern. Eine pauschale Dauer von ein bis drei Wochen ist kein sicherer Behandlungsplan.
Phase 3 – die Stabilisierungsphase / Entwöhnung
Weitere Behandlung kann ambulant oder stationär stattfinden und unter anderem Medikamente, Psychotherapie und praktische Unterstützung umfassen. Dauer und Ziele richten sich nach der Person; eine feste mehrmonatige Klinikphase ist nicht für alle erforderlich.
Ein wesentlicher Teil dieser Phase ist auch dem Betroffenen zu helfen Neues in seinem Leben zu entdecken und zu lernen bewusster zu leben. Es wird geholfen Struktur in den Tagesablauf zu bringen und versucht etwas zu finden, das den Betroffenen Freunde bringt oder ihn fordert. Hierbei ist vor allem das Ziel eine Beschäftigung oder ein Hobby zu finden, dass starke Sinneseindrücke und Ergebniseindrücke herbeiführt. Das könnte eine Sportart sein oder auch das Erlernen eines Instruments.
Phase 4 – die Nachsorge
Nachsorge kann längerfristige medizinische Betreuung, Beratung, Psychotherapie oder Selbsthilfe umfassen. Ziele und Intensität werden regelmäßig überprüft. Nach einem Opioidentzug sinkt die Toleranz: Eine früher eingenommene Dosis kann dann eine lebensgefährliche Überdosierung auslösen.
Verfügbarkeit, Wartezeiten und Aufnahmebedingungen unterscheiden sich nach Region und Einrichtung. Aktuelle Informationen sollten direkt bei Beratungsstellen, Praxen oder Kliniken erfragt werden.
Bei einer geplanten Behandlung können Hausarztpraxis oder Suchtberatung helfen, passende Angebote und mögliche Kostenträger zu klären.
Akute Entzugskomplikationen dürfen nicht auf einen regulären Aufnahmetermin warten. Bei Krampfanfällen, schwerer Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder unmittelbarer Suizidgefahr den Notruf wählen.


