Amphetamine stimulieren das zentrale Nervensystem und wurden bereits Ende 1800 entdeckt. Ihr stimulierender Effekt wurde jedoch erst in den 1930er Jahren in Deutschland entdeckt.
Amphetamine und amphetaminähnliche Stimulanzien werden medizinisch vor allem bei ADHS und in bestimmten Ländern oder Präparaten auch bei Narkolepsie eingesetzt. Illegale Stimulanzien wie Speed oder Methamphetamin gehören ebenfalls zu dieser Wirkstoffgruppe. Kokain ist dagegen ein anderes Stimulans und kein Amphetamin. Die Risiken und das Entzugsmuster hängen vom tatsächlich verwendeten Stoff, der Dosis, Häufigkeit und weiteren Substanzen ab.
Amphetamine können Wachheit, Antrieb und in höheren oder nicht medizinisch verwendeten Dosen auch Euphorie verstärken. Wiederholter Konsum kann Toleranz und eine Stimulanzienkonsumstörung begünstigen; nach längerem oder hoch dosiertem Gebrauch können beim Absetzen außerdem Entzugssymptome auftreten. Ob und wie schnell sich ein problematisches Konsummuster entwickelt, ist individuell und sollte nicht mit einer festen Frist gleichgesetzt werden.
Amphetamine können missbraucht werden und eine Stimulanzienkonsumstörung verursachen, aber es gibt keine feste Zahl von Tagen, nach der automatisch eine Sucht entsteht. Amphetamine beeinflussen unter anderem Dopamin- und Noradrenalinsysteme. Risiko und Entwicklung einer Konsumstörung hängen jedoch von Dosis, Häufigkeit, Applikationsform, individuellem Risiko und dem tatsächlichen Gebrauchsmuster ab.
Wiederholter Amphetaminkonsum kann zu Anpassungen im Nervensystem führen. Nach einer deutlichen Reduktion sind Müdigkeit, veränderter Schlaf, gedrückte Stimmung und starkes Verlangen möglich. Diese Erfahrungen beweisen für sich allein keine Sucht und lassen sich nicht auf eine einzelne Hormonausschüttung reduzieren.
Nach Beendigung oder deutlicher Reduktion eines länger andauernden oder hoch dosierten Amphetaminkonsums können Müdigkeit, Schlafveränderungen, gesteigerter Appetit, verlangsamtes oder unruhiges Verhalten, starkes Craving und dysphorische oder depressive Stimmung auftreten. Das wird nicht sinnvoll als einfacher „Dopaminabfall im Körper“ beschrieben. Besonders schwere Depression, Suizidgedanken oder eine fortbestehende Psychose benötigen rasche fachliche Beurteilung.
Körperliche Entzugserscheinungen Crystal
- Schlafprobleme
- Übelkeit, Übergeben und andere Verdauungsprobleme
- Extreme Müdigkeit
- Zittern oder Muskelzucken
- Unerklärbare Schmerzen
- Vermehrter Appetit
- Verlangsamtes Denken und verminderter Antrieb; neue Sprachstörungen, Lähmungen oder deutliche Koordinationsprobleme müssen dagegen sofort medizinisch abgeklärt werden.
- Abgeschlagenheit
- Kopfschmerzen
Psychische Entzugserscheinungen Amphetamin
- Depressionen (teilweise schwerwiegend in Selbstmordgedanken ausufernd)
- Ängste
- Lebhafte oder angsteinflößende Träume
- Halluzinationen
- Reizbarkeit
- nervöse Unruhe
- Konzentrationsschwierigkeiten
Für Amphetaminentzug gibt es keine universelle Dauer von wenigen Tagen bis zwei Wochen. Akute Beschwerden können sich über Tage verändern, während Schlaf, Stimmung, Antrieb oder Craving bei manchen Menschen länger beeinträchtigt bleiben. Intensität und Verlauf hängen unter anderem von Konsummuster, weiteren Substanzen und psychischer sowie körperlicher Gesundheit ab.
- Wie lange Amphetamine konsumiert wurden
- Wie viel und wie oft Amphetamine konsumiert wurden
- Wann zuletzt Amphetamin in welcher Dosis konsumiert wurde
- Ob andere Drogen konsumiert werden
- Inwiefern psychologische oder physische Erkrankungen bereits vorliegen
- Alter, Geschlecht und Gewicht des Betroffenen
Die Halbwertszeit eines Stimulans kann Hinweise darauf geben, wie lange die Substanz im Körper wirkt oder nachweisbar sein kann, sie sagt aber nicht zuverlässig voraus, wie lange Entzugssymptome dauern. Psychiatrische Symptome, Schlaf und Craving können einem anderen Zeitverlauf folgen als die reine Arzneimittel-Elimination.
Beschwerden können sich im Verlauf verändern. Die folgenden Abschnitte sind keine festen Phasen und erlauben keine Vorhersage, wann eine bestimmte Person beschwerdefrei oder sicher ist.
Frühe Beschwerden
Nach dem Ende oder einer deutlichen Reduktion des Konsums können Erschöpfung, Schlafveränderungen, gedrückte Stimmung und Unwohlsein auftreten. Beginn und Schwere hängen vom Konsummuster und der individuellen Situation ab; eine feste Stundenangabe oder ein einfacher Dopaminabfall erklärt den Verlauf nicht.
Stimmung und Sicherheit
Schwere Depression, Suizidgedanken, ausgeprägte Unruhe oder eine anhaltende Psychose benötigen rasche fachliche Beurteilung. Bei unmittelbarer Gefährdung ist der Notruf 112 beziehungsweise der örtliche Rettungsdienst zuständig.
Veränderungen im weiteren Verlauf
Körperliche Beschwerden, Schlaf und Stimmung können sich unterschiedlich schnell bessern. Konzentrationsprobleme oder starkes Verlangen können länger anhalten. Eine Verschlechterung sollte unabhängig vom Zeitpunkt abgeklärt werden.
Anhaltende Beschwerden
Wenn Schlafstörungen, Depression oder andere Beschwerden fortbestehen, müssen auch eigenständige Erkrankungen und weitere Substanzen berücksichtigt werden. Es gibt keinen Tag, an dem alle Entzugssymptome verschwunden sein müssen.
Manche Menschen berichten nach der frühen Phase länger anhaltende Beschwerden. Die Grenze von zwei Wochen definiert jedoch kein einheitliches, sicher diagnostizierbares Syndrom. Anhaltende Symptome sollten individuell beurteilt werden; mögliche Beschwerden sind:
- Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis
- Gestörte Konzentrationsfähigkeiten
- Mangelnde Selbstkontrolle
- Depressionen mit oder ohne Selbstmordgedanken
- Unfähigkeit Freude zu empfinden
- Müdigkeit
- Schlafprobleme
- Körperliche Beschwerden, deren Ursache medizinisch abgeklärt werden sollte
- Verlangen nach der Droge
Die wichtigste Gefahr kann eine schwere psychische Krise sein. Auch akute körperliche Symptome oder Entzug von gleichzeitig konsumiertem Alkohol oder Beruhigungsmitteln erfordern Beurteilung. Folgende Beschwerden sind keine gewöhnlichen Entzugssymptome, die man zu Hause abwarten sollte, sondern Gründe für dringende oder sofortige medizinische Hilfe:
- Herz- und Kreislaufprobleme wie Herzrhythmusstörungen oder Brustschmerzen
- Epileptische Anfälle
- Kopfschmerzen, die von einer Hirnblutung verursacht werden können
- Komplikationen beim Entzug von mehreren unterschiedlichen Substanzen
Die Symptomstärke lässt sich nicht allein aus einer vermuteten Abhängigkeit oder Halbwertszeit ableiten. Rückfallrisiko, Suizidgedanken, anhaltende Psychose und andere Substanzen müssen in die Planung einbezogen werden. Eine erneute Einnahme kann weiterhin zu einer schweren Vergiftung führen.
Abhängigkeiten sind fortschreitende Krankheiten, die mit der Zeit schlimmer werden und schwere Auswirkungen sowohl auf die psychische als auch die körperliche Gesundheit haben können – sofern sie nicht behandelt werden. Ein therapeutischer Entzug kann dabei behilflich sein, zu erkennen, wie die Abhängigkeit entstand und verborgene psychische Probleme aufzudecken.
Ein Plan sollte festlegen, welche Unterstützung verfügbar ist, wer bei einer Verschlechterung kontaktiert wird und wie Schlaf, Ernährung, Stimmung und Sicherheit beurteilt werden. Selbstmedikation mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder vermeintlichen Entgiftungsprodukten kann zusätzliche Risiken schaffen.
Die passende Behandlung bei Amphetaminentzug richtet sich nach dem individuellen Risiko. Viele Menschen können ambulant behandelt werden, während stationäre oder akutpsychiatrische Versorgung bei schwerer Depression, Suizidgefahr, anhaltender Psychose, erheblicher körperlicher Instabilität oder komplexem Mischkonsum sinnvoll sein kann. Die Behandlung konzentriert sich auf Schlaf, Ernährung, psychiatrische Symptome, Craving und eine mögliche Stimulanzienkonsumstörung; es gibt kein Medikament, das den Amphetaminentzug pauschal „beendet“ oder jede Beschwerde verhindert.
Bei illegal konsumierten Amphetaminen sollte kein selbst erstellter „Ausschleichplan“ mit weiterem Drogenkonsum empfohlen werden. Die Behandlung konzentriert sich auf sichere Beendigung des Konsums, Schlaf, Ernährung, psychiatrische Symptome, Craving und die Behandlung einer Stimulanzienkonsumstörung. Bei verschriebenen Stimulanzien entscheidet der behandelnde Arzt, ob eine Dosisänderung oder ein schrittweises Vorgehen sinnvoll ist.
Entzug ambulante Therapien möglich. Ein ambulanter Amphetamin Entzug kann mit den folgenden Therapiemodellen erfolgen:
Gruppentherapie
Gruppentherapie ein wichtiger Bestandteil eines ambulanten Behandlungsplans. Indem in Gruppensitzungen ein unterstützendes Umfeld aufgebaut wird, können Betroffene auf eine Genesung hinarbeiten sowie ihre Erfahrungen mit dem Amphetaminmissbrauch erkunden. Die Sitzungen werden von zugelassenen Therapeuten geleitet, die die Fortschritte bewerten und Empfehlungen aussprechen. Selbsthilfegruppen werden auch für Familienangehörige der Betroffenen angeboten, damit sie lernen, wie sie den Genesungsprozess am besten unterstützen können.
In der Gruppentherapie werden in der Regel die folgenden Themen behandelt:
- Bewältigung der Genesung
- Umgang mit Stress und Ängsten
- Bekämpfung von Heißhungerattacken
- Aufbau von gesunden Beziehungen
- Aufarbeitung vergangener Traumata
Individuelle Therapie
Eine Einzeltherapie kann bei der Behandlung der Amphetaminabhängigkeit sehr hilfreich sein. Betroffene treffen sich mit einem Therapeuten, um neue Bewältigungsstrategien zu erlernen, eine gesunde Kommunikation zu üben sowie Hoffnung und Stärke zu bewahren. Eine Amphetaminabhängigkeit ist selten ein isoliertes Problem, sodass eine individuelle Therapie die Ursache der Abhängigkeit ermitteln kann.
Es gibt kein allgemein zugelassenes Medikament, das den Stimulanzienentzug zuverlässig beendet. Ärztinnen und Ärzte können einzelne Symptome oder eigenständige Erkrankungen behandeln; dafür sind Nutzen, Risiken und weitere Substanzen zu prüfen.
- Antidepressiva: Bei einer anhaltenden oder eigenständigen Depression kann eine gezielte Behandlung angezeigt sein. Sie ersetzen weder eine akute Suizidrisikobeurteilung noch wirken sie bei jeder Person sofort.
- Beruhigende Medikamente: In ausgewählten akuten Situationen kann eine ärztlich überwachte Behandlung nötig sein. Selbstmedikation mit Benzodiazepinen oder anderen Sedativa kann neue Abhängigkeits- und Überdosierungsrisiken verursachen.
- Schlafbehandlung: Schlafstörungen sollten beurteilt werden. Schlafroutinen und passende therapeutische Maßnahmen können helfen; ein Schlafmittel ist nicht automatisch erforderlich und sollte nicht eigenständig ergänzt werden.
Entspannungsverfahren oder körperliche Aktivität können das Wohlbefinden unterstützen, sofern sie zur gesundheitlichen Situation passen. Sie sind kein nachgewiesener Ersatz für die Behandlung schwerer Entzugssymptome, einer Depression oder Psychose. Bei Brustschmerz oder anderen akuten Beschwerden ist zunächst medizinische Hilfe nötig.


