Ein alkoholbedingter Filmriss ist eine Erinnerungslücke für Ereignisse, die während eines Rauschzustands stattgefunden haben. Die betroffene Person kann weiterhin wach sein und sprechen, doch das Gehirn bildet nicht zuverlässig dauerhafte Erinnerungen. Ein Filmriss ist etwas anderes als Bewusstlosigkeit. Schon ein einzelner Filmriss ist ein Anlass, den eigenen Alkoholkonsum zu überdenken und mit einer medizinischen Fachperson zu sprechen.
Filmriss, lückenhafte Erinnerung und Bewusstlosigkeit
Bei einem fragmentarischen Filmriss, manchmal auch als „Brownout“ oder „Grayout“ bezeichnet, bleiben einzelne Erinnerungen mit Lücken dazwischen erhalten. Bei einem En-bloc-Filmriss fehlt die Erinnerung an einen Zeitraum weitgehend vollständig. Die Unterscheidung betrifft die Gedächtnisbildung, nicht die Frage, ob jemand „die Sinne verloren“ hat.
Bewusstlosigkeit bedeutet den Verlust des Bewusstseins. Mit zunehmender Alkoholisierung kann ein Filmriss in Bewusstlosigkeit übergehen. Dass jemand sprechen oder gehen kann, belegt nicht, dass die Person Erinnerungen bildet, sichere Entscheidungen trifft oder einwilligungsfähig ist.
Warum Alkohol die Bildung von Erinnerungen verhindern kann
Alkohol kann die Fähigkeit des Gehirns beeinträchtigen, Informationen in das längerfristige Gedächtnis zu übertragen. Dazu gehören auch Prozesse, an denen der Hippocampus beteiligt ist. Ereignisse werden dabei nicht ausreichend gespeichert. Es handelt sich also nicht einfach um eine vollständig vorhandene Erinnerung, die vorübergehend unzugänglich ist und später wieder abgerufen werden kann.
Das Risiko steigt, wenn die Blutalkoholkonzentration rasch zunimmt, etwa durch schnelles Trinken oder Alkoholkonsum auf nüchternen Magen. Manche Medikamente, insbesondere Beruhigungsmittel, erhöhen das Risiko zusätzlich. Die individuelle Anfälligkeit ist unterschiedlich. Weder die Anzahl der Getränke noch ein Blutalkoholwert können zuverlässig vorhersagen, wo für eine bestimmte Person eine sichere Grenze liegt.
Können Erinnerungen nach einem Filmriss zurückkehren?
Manche bruchstückhaften Erinnerungen können durch Erinnerungshilfen zurückkehren. Bei einem En-bloc-Filmriss wurden keine Erinnerungen gebildet; sie lassen sich in der Regel nicht wiederherstellen. Für kein Medikament, Nahrungsergänzungsmittel oder Gedächtnistraining lässt sich versprechen, dass es die fehlenden Ereignisse rekonstruieren kann.
Eine Behandlung mit Thiamin spielt eine wichtige Rolle, wenn ärztlicherseits eine durch Thiaminmangel verursachte Hirnerkrankung vermutet wird oder ihr vorgebeugt werden soll. Dabei handelt es sich um ein anderes Problem als die Wiederherstellung einer Erinnerung, die während eines alkoholbedingten Filmrisses gar nicht gespeichert wurde. Memantin ist kein etabliertes Mittel, um Ereignisse aus einem Filmriss wieder ins Gedächtnis zu rufen. Anhaltende Verwirrtheit, Gedächtnisschwierigkeiten oder Gleichgewichtsstörungen müssen abgeklärt werden, statt sie selbst zu behandeln.
Wenn Sie verstehen möchten, was während einer Erinnerungslücke geschehen ist, sprechen Sie mit einer Person Ihres Vertrauens und achten Sie zunächst auf Ihre gegenwärtige Sicherheit. Lassen Sie sich nicht dazu drängen, eine mit großer Gewissheit vorgetragene Schilderung anderer als eigene wiedererlangte Erinnerung zu übernehmen. Bei möglichen Verletzungen, einem möglichen Schädel-Hirn-Trauma, unerwünschtem sexuellem Kontakt oder möglicher Einwirkung von Drogen ist zeitnahe medizinische Unterstützung angezeigt, auch wenn Einzelheiten unklar sind.
Wann Sie den Rettungsdienst rufen sollten
Ein Filmriss kann zusammen mit einer gefährlichen Alkoholvergiftung auftreten. Rufen Sie den Rettungsdienst, wenn sich jemand nicht wecken lässt, langsam oder unregelmäßig atmet, einen Krampfanfall hat, zusammenbricht oder stark verwirrt ist. Auch wiederholtes Erbrechen bei eingeschränktem Bewusstsein ist besorgniserregend. Lassen Sie eine bewusstlose Person nicht allein, damit sie ihren Rausch ausschläft.
Bleiben Sie bei der Person und befolgen Sie die Anweisungen der Notrufleitstelle. Kaffee, Herumlaufen und kalte Duschen machen eine Alkoholvergiftung nicht rückgängig. Die Blutalkoholkonzentration kann nach dem letzten Getränk weiter steigen. Deshalb kann sich der Zustand einer Person verschlechtern, die zuvor noch ansprechbar wirkte.
Was ein Filmriss über Ihren Alkoholkonsum aussagt
Ein Filmriss allein begründet noch keine Diagnose einer Alkoholkonsumstörung. Er weist jedoch auf eine Episode mit erheblichem Risiko hin. Wiederholte Filmrisse, Schwierigkeiten, den Alkoholkonsum zu kontrollieren, Trinken trotz schädlicher Folgen oder das Bedürfnis nach Alkohol zur Vermeidung von Entzugssymptomen sind Gründe für eine umfassendere Abklärung.
Besprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt, was Sie getrunken haben, den zeitlichen Verlauf, die Einnahme anderer Substanzen oder Medikamente sowie etwaige Verletzungen oder Gedächtnisschwierigkeiten. Wenn Bewusstlosigkeit auch ohne Alkohol auftritt, müssen andere Ursachen medizinisch abgeklärt werden. Ohnmachtsanfälle, Krampfanfälle und andere Erkrankungen dürfen nicht ohne Weiteres als gewöhnliche alkoholbedingte Filmrisse eingeordnet werden.
Das Risiko eines erneuten Filmrisses verringern
Wer keinen Alkohol trinkt, verhindert alkoholbedingte Filmrisse. Wenn Sie körperlich abhängig sind, holen Sie ärztlichen Rat ein, bevor Sie den Alkoholkonsum plötzlich beenden oder stark reduzieren, denn ein Entzug kann gefährlich sein. Mögliche Anzeichen sind Zittern, Schwitzen, Übelkeit oder ausgeprägte Angst, wenn die Alkoholwirkung nachlässt. Krampfanfälle oder starke Verwirrtheit erfordern eine medizinische Notfallversorgung.
Wer kein Entzugsrisiko hat und sich entscheidet, Alkohol zu trinken, kann mögliche Schäden verringern, indem schnelles Trinken, Trinkspiele und die Kombination mit Beruhigungsmitteln vermieden werden. Essen und Wasser machen hohen Alkoholkonsum jedoch nicht sicher. Ein früherer Filmriss ist ein guter Anlass, das Trinkverhalten zu überdenken, statt nach einer Trinkmenge zu suchen, bei der die Erinnerung garantiert erhalten bleibt.
Die Behandlung von Alkoholproblemen kann eine Kurzberatung, psychologische Ansätze, gegebenenfalls Medikamente und gegenseitige Unterstützung umfassen. Der Behandlungsplan sollte auf die Ziele, den Gesundheitszustand und die Risiken der jeweiligen Person abgestimmt sein. Sie müssen nicht auf wiederholte Filmrisse oder schwerwiegende Folgen warten, bevor Sie Hilfe suchen.


