Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) sollte nicht aus Lebensereignissen einer Person des öffentlichen Lebens, einer Biografie oder dem Foto einer Gehirnaufnahme abgeleitet werden. Ein Trauma zu erleben und eine PTBS zu entwickeln, sind zwei miteinander verbundene, aber unterschiedliche Dinge. Eine Diagnose erfordert eine klinische Abklärung.
Öffentliche Erfahrungsberichte sind vor allem dann hilfreich, wenn sie Menschen erkennen lassen, dass Unterstützung verfügbar ist, ohne private Erfahrungen zum Spektakel zu machen.
Lady Gagas öffentlicher Brief
In einem persönlichen Brief, den die Born This Way Foundation am 6. Dezember 2016 veröffentlichte, machte Lady Gaga ihre PTBS-Diagnose öffentlich und berichtete darüber, professionelle Hilfe zu suchen. Dies ist ihre Schilderung ihrer damaligen Erfahrungen.
Um diese öffentliche Mitteilung einzuordnen, müssen keine intimen Einzelheiten eines traumatischen Ereignisses wiedergegeben werden. Ebenso wenig lässt sich aus ihrer Geschichte eine Diagnose für eine andere Person ableiten, jeder Aspekt ihres Lebens erklären oder ihr aktueller Gesundheitszustand bestätigen.
Was bei einer diagnostischen Abklärung berücksichtigt wird
Das National Institute of Mental Health beschreibt PTBS-Symptome in den Bereichen Wiedererleben, Vermeidung, Veränderungen der Gedanken oder Stimmung sowie Veränderungen des Erregungsniveaus oder der Reaktivität. Bei der Abklärung wird auch berücksichtigt, ob ein traumatisches Ereignis vorliegt, das die diagnostischen Kriterien erfüllt, wie lange die Symptome bestehen, ob Leidensdruck oder Beeinträchtigungen im Alltag vorliegen und ob andere Erklärungen infrage kommen.
Nicht jeder Mensch, der ein Trauma erlebt, entwickelt eine PTBS. Psychische Belastung kurz nach einem beängstigenden Ereignis bedeutet nicht automatisch, dass diese Störung vorliegt. Kinder können andere Symptommuster zeigen und benötigen eine altersgerechte Abklärung.
Mit einer bildgebenden Untersuchung des Gehirns lässt sich bei einer einzelnen Person weder eine PTBS diagnostizieren noch allein eine durch PTBS verursachte Hirnschädigung nachweisen. Bei entsprechender Indikation können medizinische Fachpersonen anderen gesundheitlichen Beschwerden nachgehen. Die Diagnose beruht jedoch auf einer sorgfältigen Abklärung der Erfahrungen und Symptome der betroffenen Person.
Was eine Behandlung umfassen kann
Die PTBS-Leitlinie von NICE umfasst traumafokussierte psychologische Therapien, darunter die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie und unter geeigneten Voraussetzungen die Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegungen (EMDR). Das Vorgehen sollte Alter, Bedürfnisse, Präferenzen, Sicherheit und die Art der Symptome berücksichtigen.
Fragen Sie, was die Behandlung beinhaltet, welche Ausbildung die behandelnde Fachperson hat, wie Fortschritte überprüft werden und welche Unterstützung zwischen den Sitzungen verfügbar ist. Die Bezeichnung einer Behandlung als traumasensibel erklärt für sich genommen noch nicht, welche Intervention angeboten wird.
Hilfe suchen, ohne alles öffentlich erzählen zu müssen
Sie können ein Gespräch damit beginnen, die Probleme zu beschreiben, bei denen Sie Hilfe wünschen, etwa Albträume, Vermeidungsverhalten, das Gefühl ständiger Alarmbereitschaft oder Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen. Sagen Sie der behandelnden Fachperson, wenn es Sie überfordert, über ein Ereignis zu sprechen. Sie kann die diagnostische Abklärung erläutern und mit Ihnen gemeinsam das weitere Vorgehen erarbeiten.
Freunde und Angehörige können zuhören, Grenzen respektieren und auf Wunsch bei praktischen Angelegenheiten helfen. Niemand muss ein traumatisches Ereignis im Detail nacherzählen, um Unterstützung zu verdienen.
Wenn unmittelbare Gefahr besteht oder jemand die eigene Sicherheit nicht gewährleisten kann, holen Sie Notfallhilfe. Andernfalls kann eine qualifizierte Fachperson mit Erfahrung im Umgang mit Traumata helfen, die Symptome abzuklären und die nächsten Schritte zu besprechen.


