Psychische Erkrankungen können Stimmung, Denken, Gefühle, Verhalten und die Alltagsbewältigung beeinflussen. Menschen mit derselben Diagnose können unterschiedliche Erfahrungen machen und unterschiedliche Unterstützung benötigen. Auch können mehrere Erkrankungen gleichzeitig auftreten. Eine Diagnose hilft, die Behandlung auszurichten, beschreibt aber nicht den ganzen Menschen.
Für viele Erkrankungen stehen wirksame Behandlungen und Unterstützung zur Verfügung. Eine Besserung kann weniger Symptome, eine bessere Alltagsbewältigung und ein erfüllteres Leben bedeuten. Weder eine bestimmte Einrichtung oder Therapie noch eine festgelegte Anzahl von Sitzungen kann eine vollständige Genesung garantieren.
Depression und bipolare Störung
Eine Depression kann mit anhaltend gedrückter Stimmung oder Interessenverlust sowie Veränderungen von Schlaf, Appetit, Energie und Konzentration und weiteren Symptomen einhergehen. Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Beschwerdebild, dem Schweregrad, den Präferenzen, dem bisherigen Ansprechen auf Behandlungen und den Sicherheitsbedürfnissen der betroffenen Person.
Bei einer bipolaren Störung treten manische oder hypomanische Episoden und bei vielen Betroffenen auch depressive Episoden auf. Diese Episoden unterscheiden sich von gewöhnlichen Stimmungsschwankungen. Eine sorgfältige Anamnese ist wichtig, da sich die Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich der Rolle von Medikamenten, von denen bei einer unipolaren Depression unterscheiden.
Angststörungen, Zwangsstörungen und traumabezogene Erkrankungen
Zu den Angststörungen gehören unter anderem die generalisierte Angststörung, die Panikstörung, die soziale Angststörung und spezifische Phobien. Das Muster aus Ängsten, Vermeidungsverhalten und körperlichen Symptomen hilft dabei, Diagnostik und Behandlung auszurichten.
Eine Zwangsstörung ist durch Zwangsgedanken, Zwangshandlungen oder beides gekennzeichnet, die viel Zeit beanspruchen oder erhebliches Leiden oder Beeinträchtigungen verursachen. Bei der diagnostischen Abklärung werden auch andere mögliche Erklärungen berücksichtigt. Eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann nach einem Trauma entstehen, das die entsprechenden diagnostischen Kriterien erfüllt, und umfasst ein spezifisches Symptommuster. Zwangsstörungen und PTBS bilden eigenständige diagnostische Gruppen, auch wenn Angst bei beiden eine ausgeprägte Rolle spielen kann. Die Behandlung sollte auf die jeweilige Erkrankung abgestimmt sein. Beispielsweise kann die Behandlung einer Zwangsstörung eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit Exposition und Reaktionsverhinderung umfassen. Dabei setzen sich Betroffene mit therapeutischer Unterstützung gefürchteten Situationen aus und verzichten zugleich auf Zwangsrituale.
Psychosen und andere Veränderungen des Denkens oder der Wahrnehmung
Eine Psychose kann mit Erlebnissen wie Halluzinationen oder festen Überzeugungen einhergehen, die andere nicht teilen. Sie kann bei verschiedenen Erkrankungen auftreten und auch mit Substanzen oder körperlichen Ursachen zusammenhängen. Neue oder sich verschlimmernde Symptome erfordern eine zeitnahe Abklärung, insbesondere wenn die betroffene Person stark belastet oder verwirrt ist oder ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllen kann.
Eine klinische Fachperson berücksichtigt die umfassendere Vorgeschichte und die aktuelle Situation, anstatt anhand eines einzelnen Erlebnisses eine Diagnose zu stellen. Die Behandlung kann Medikamente, psychologische und familienbezogene Interventionen, praktische Unterstützung und die medizinische Versorgung der körperlichen Gesundheit umfassen.
Essstörungen, Substanzkonsum und Persönlichkeitsstörungen
Essstörungen können sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen und bei unterschiedlichem Körpergewicht auftreten. Die diagnostische Abklärung sollte ernährungsbezogene und medizinische Risiken ebenso berücksichtigen wie Gedanken und Verhaltensweisen rund um das Essen. Ein medizinisch instabiler Zustand erfordert dringend medizinische Versorgung und gegebenenfalls eine Stabilisierung im Krankenhaus. Der Wiederaufbau einer ausreichenden Ernährung kann klinische Begleitung erfordern, einschließlich der Einschätzung des Risikos für ein Refeeding-Syndrom und einer entsprechenden Überwachung.
Störungen durch Substanzkonsum gehen mit Problemen wie eingeschränkter Kontrolle und fortgesetztem Konsum trotz schädlicher Folgen einher. Die Behandlung kann psychologische Behandlung, gegebenenfalls Medikamente und Unterstützung im Genesungsprozess umfassen. Die Risiken eines Entzugs hängen von der Substanz und den Umständen ab und können eine ärztliche Überwachung erforderlich machen.
Persönlichkeitsstörungen beschreiben überdauernde Muster, die Leiden oder Schwierigkeiten in der Lebensführung verursachen können. Sie sollten besprochen werden, ohne den Charakter eines Menschen zu bewerten. Bei einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) steht eine strukturierte Psychotherapie im Mittelpunkt; eine Besserung ist möglich.
Neurologische Entwicklungsstörungen und individuelle Unterstützung
ADHS und Autismus gehören zu den neurologischen Entwicklungsstörungen. Unterstützung kann praktische Anpassungen, Hilfen bei der Kommunikation oder beim Lernen sowie die Behandlung gleichzeitig bestehender psychischer oder körperlicher Beschwerden umfassen. Der Unterstützungs- und Behandlungsplan sollte die Stärken, Bedürfnisse und Präferenzen der betroffenen Person berücksichtigen.
Symptome wie Konzentrationsschwierigkeiten, Erschöpfung oder Schlafprobleme können verschiedene Ursachen haben. Eine umfassende Abklärung kann helfen, nicht jede Schwierigkeit auf eine einzige Diagnose zurückzuführen.
Behandlung und Versorgungsintensität wählen
Die Behandlung kann Psychotherapie, Medikamente, soziale und berufliche Unterstützung sowie die Berücksichtigung von Schlaf und körperlicher Gesundheit verbinden. Fragen Sie, welches Ziel jede vorgeschlagene Maßnahme verfolgt, welche wissenschaftlichen Belege sie stützen und wie Nutzen und Nebenwirkungen überprüft werden.
Viele Menschen erhalten eine wirksame Behandlung, während sie zu Hause leben. Wenn zusätzliche Unterstützung oder eine Überwachung der Sicherheit erforderlich ist, können tagesklinische oder intensiv-ambulante Angebote, Behandlungsangebote mit Unterkunft oder stationäre Angebote in Betracht gezogen werden. Eine Unterbringung in einer Wohneinrichtung bedeutet für sich genommen nicht, dass dort eine stationäre medizinische Versorgung möglich ist. Die Einrichtung muss die als erforderlich eingeschätzte Versorgung und Überwachung leisten können. Die Entscheidung sollte überprüft werden, wenn sich die Umstände ändern. Eine kontinuierliche Weiterbehandlung und ein klarer Krisenplan können ebenso wichtig sein wie das anfängliche Behandlungssetting.


