In Kürze
  • Familiäre Beziehungen können sowohl an der Entstehung psychischer Belastungen beteiligt sein als auch einen relevanten Beitrag zur Stabilisierung im Behandlungsverlauf leisten.
  • Bei THE BALANCE erfolgt die Einbindung von Angehörigen nicht routinemäßig, sondern nach klinischer Indikationsstellung.
  • Zeitpunkt, Umfang und Rahmen werden individuell festgelegt, um Behandlungssicherheit, psychologische Stabilität und nachhaltige Veränderung zu unterstützen.

Familiäre Beziehungen können sowohl an der Entstehung psychischer Belastungen beteiligt sein als auch einen relevanten Beitrag zur Stabilisierung im Behandlungsverlauf leisten. Bei THE BALANCE erfolgt die Einbindung von Angehörigen nicht routinemäßig, sondern nach klinischer Indikationsstellung. Zeitpunkt, Umfang und Rahmen werden individuell festgelegt, um Behandlungssicherheit, psychologische Stabilität und nachhaltige Veränderung zu unterstützen.

DIE ROLLE DER FAMILIE IM GENESUNGSPROZESS

Familiensysteme wirken in der Behandlung auf unterschiedliche Weise. Sie können:

  • emotionale Unterstützung und Kontinuität ermöglichen
  • langjährig etablierte Interaktions- und Beziehungsmuster sichtbar machen
  • Belastung, Druck oder Konfliktdynamiken verstärken
  • eigene Aufklärung, Orientierung und Anleitung benötigen

Die klinische Einordnung dieser Dynamiken ist Voraussetzung dafür, dass Angehörigenkontakt stabilisierend wirkt und nicht zu Destabilisierung führt.

KLINISCH GESTEUERTE EINBINDUNG VON ANGEHÖRIGEN

Familienkontakte werden durch das Behandlungsteam geplant und begleitet. Dadurch wird sichergestellt, dass:

  • der Zeitpunkt therapeutisch sinnvoll ist
  • Rollen, Ziele und Erwartungen vorab geklärt sind
  • Grenzen eingehalten werden
  • Interaktionen die Behandlung unterstützen und nicht beeinträchtigen

Je nach Verlauf kann Kontakt schrittweise aufgebaut und im Rahmen der Behandlung angepasst werden.

STRUKTURIERTE FAMILIENBESUCHE

Wenn Familienbesuche Bestandteil des Behandlungsplans sind, erfolgen sie:

  • terminiert und mit klarer Zielsetzung
  • eingebettet in definierte klinische Behandlungsziele
  • bei Bedarf mit professioneller Anleitung und Nachbereitung

Diese Struktur dient dem Schutz der behandelten Person und der Angehörigen und unterstützt die therapeutische Wirksamkeit.

UNTERSTÜTZUNG UND AUFKLÄRUNG FÜR ANGEHÖRIGE

Angehörigenarbeit umfasst häufig mehr als Besuche. Je nach Indikation kann sie beinhalten:

  • Psychoedukation zu psychischen Erkrankungen, Trauma oder Abhängigkeit
  • Anleitung zu Kommunikation, Grenzen und Deeskalation
  • Einordnung typischer Verläufe und Rückfallrisiken im Genesungsprozess
  • Vorbereitung auf Reintegration und Übergänge nach der stationären Phase

Informierte Angehörige können Stabilität im Alltag besser unterstützen und Risiken früher erkennen.

PARTNER:INNEN UND ENGE BEZIEHUNGEN

Auch Partner:innen oder andere nahestehende Personen können einbezogen werden, sofern dies klinisch angezeigt ist. Dies kann unterstützen, um:

  • beziehungsbezogene Belastungsfaktoren zu identifizieren und zu bearbeiten
  • Kommunikation zu verbessern
  • Missverständnisse und Fehlannahmen zu reduzieren
  • gemeinsame Erwartungen für die Zeit nach der Behandlung zu klären

Voraussetzung sind eine klinische Einschätzung der Belastbarkeit sowie ausreichende Stabilität und Bereitschaft.

GRENZEN UND VERTRAULICHKEIT

Der Schutz der Vertraulichkeit hat jederzeit Vorrang. Angehörigenbeteiligung:

  • erfolgt ausschließlich mit Einwilligung der behandelten Person
  • wahrt Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung
  • orientiert sich an ethischen und rechtlichen Vorgaben

Klare Grenzen sind zentral für Vertrauen, Behandlungssicherheit und psychologische Sicherheit.

WANN ANGEHÖRIGENKONTAKT BEGRENZT WIRD

In bestimmten Konstellationen kann Angehörigenkontakt begrenzt oder zeitlich verschoben werden. Dies kann erforderlich sein, wenn:

  • Beziehungen aktuell deutlich destabilisierend wirken
  • Sicherheit, Grenzen oder Schutzräume nicht verlässlich gewährleistet werden können
  • zunächst ein geschützter Rahmen zur Stabilisierung notwendig ist

Solche Entscheidungen erfolgen nach sorgfältiger Abwägung und werden nachvollziehbar begründet.

LANGFRISTIGE KONTINUITÄT UND REINTEGRATION

Insbesondere in Übergangsphasen gewinnt Angehörigenarbeit an Bedeutung. Unterstützung kann umfassen:

  • Vorbereitung auf die Rückkehr in das häusliche Umfeld
  • Vereinbarungen zu fortlaufenden Grenzen und Verantwortlichkeiten
  • Abstimmung mit Nachsorge- und Weiterbehandlungsplanung
  • Begleitung in Anpassungs- und Belastungsphasen nach Entlassung

Kontinuität über den stationären Rahmen hinaus ist ein relevanter Faktor zur Stabilisierung und Rückfallprophylaxe.

HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN

Sind Familienbesuche verpflichtend?

Nein. Eine Einbindung erfolgt nur bei klinischer Indikation und mit Einwilligung der behandelten Person.

Können Angehörige Unterstützung erhalten, auch wenn kein Besuch stattfindet?

Ja. Beratung und Orientierung können – sofern angezeigt und datenschutzrechtlich möglich – unabhängig von Besuchen angeboten werden.

Was gilt bei belasteten oder komplexen Familienverhältnissen?

Komplexe Konstellationen sind häufig. Sie werden im Rahmen der klinischen Einschätzung berücksichtigt; Kontakt wird dann besonders sorgfältig geplant, begrenzt oder gegebenenfalls zunächst zurückgestellt.