In Kürze
  • Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (komplexe PTBS) wird mit langandauernder oder wiederholter Traumatisierung in Verbindung gebracht, insbesondere wenn diese in Beziehungen stattfindet oder über längere Zeiträume anhält.
  • In THE BALANCE wird komplexe PTBS als Störungsbild verstanden, das Emotionsregulation, Identität, Beziehungsfähigkeit und das Nervensystem betreffen kann und nicht selten mit weiteren psychischen oder verhaltensbezogenen Belastungen einhergeht.
  • Die Versorgung erfolgt mit klinischer Sorgfalt, angemessener Taktung und unter klarer therapeutischer Indikationsstellung.

Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (komplexe PTBS) wird mit langandauernder oder wiederholter Traumatisierung in Verbindung gebracht, insbesondere wenn diese in Beziehungen stattfindet oder über längere Zeiträume anhält.

In THE BALANCE wird komplexe PTBS als Störungsbild verstanden, das Emotionsregulation, Identität, Beziehungsfähigkeit und das Nervensystem betreffen kann und nicht selten mit weiteren psychischen oder verhaltensbezogenen Belastungen einhergeht. Die Versorgung erfolgt mit klinischer Sorgfalt, angemessener Taktung und unter klarer therapeutischer Indikationsstellung.

Verständnis der komplexen PTBS

Im Unterschied zu einem singulären traumatischen Ereignis entsteht komplexe PTBS häufig im Kontext von:

  • Traumatisierung in Kindheit oder Entwicklung
  • andauernder emotionaler, körperlicher oder psychischer Gewalt
  • chronischer Vernachlässigung oder instabilen Bindungs- und Beziehungserfahrungen
  • wiederholter Bedrohung bei fehlender Möglichkeit zur Flucht oder zum Schutz
  • langfristigen Hochstress-Umfeldern

Die Auswirkungen sind kumulativ und können sich tief in Selbstwahrnehmung, Affektverarbeitung und Weltbezug einprägen.

Wie sich komplexe PTBS zeigen kann

Komplexe PTBS kann Merkmale einer PTBS umfassen und darüber hinaus zusätzliche Belastungen, unter anderem:

  • anhaltende Schwierigkeiten der Emotionsregulation
  • ausgeprägte Scham-, Schuld- oder Wertlosigkeitsgefühle
  • Probleme mit Vertrauen und Nähe
  • instabiles Selbstbild oder Identitätsunsicherheit
  • chronische Übererregung (Hypervigilanz) oder emotionales Abschalten
  • Beziehungsmuster mit Vermeidung oder Abhängigkeitstendenzen
  • körperliche Beschwerden ohne eindeutige somatische Ursache

Die Symptomatik besteht häufig über lange Zeit und wird eher als „eingeschliffen“ denn als episodisch erlebt.

Komplexe PTBS und begleitende Problemlagen

Komplexe PTBS wird häufig gemeinsam beobachtet mit:

  • Depressionen oder Angsterkrankungen
  • Burnout und chronischer Stressbelastung
  • Substanzkonsum oder verhaltensbezogenen Bewältigungsstrategien
  • Essstörungen oder restriktiven Mustern
  • persönlichkeitsbezogenen oder relationalen Schwierigkeiten
  • psychosomatischen oder stressassoziierten körperlichen Symptomen

Diese Überschneidungen werden klinisch als Teil des Gesamtbildes bewertet und nicht als voneinander isoliert zu behandelnde Einzelprobleme.

Es ist ein anderes Vorgehen erforderlich

Komplexe PTBS erfordert in der Regel eine andere Struktur und ein anderes Tempo als die Behandlung nach einmaligen Traumata. In THE BALANCE gilt:

  • eine Traumabearbeitung steht nicht am Beginn der Behandlung
  • Stabilisierung und Regulation haben Vorrang
  • der therapeutische Fokus liegt zunächst auf Sicherheit, Begrenzung/Containment und Belastbarkeit
  • relationale Muster werden über Zeit und mit klinischer Vorsicht bearbeitet

Vertiefende traumafokussierte Arbeit wird erst dann indiziert, wenn eine ausreichende Stabilität und innere Kapazität vorliegt.

Wie komplexe PTBS in THE BALANCE behandelt wird

Die Versorgung bei komplexer PTBS ist:

  • hoch individualisiert
  • multidisziplinär und integriert
  • auf allen Ebenen traumasensibel ausgerichtet
  • an der Kapazität des Nervensystems orientiert

Je nach Befund und Indikation können Psychotherapie, psychiatrische Mitbehandlung, neurobiologisch orientierte Unterstützungsmaßnahmen, körperorientierte Verfahren sowie ein strukturierter, schützender Rahmen eingesetzt werden – selektiv, abgestimmt und klinisch gesteuert.

Die Rolle des Nervensystems und entwicklungsbezogene Auswirkungen

Bei komplexer PTBS hat sich das Nervensystem häufig an eine länger andauernde Bedrohung angepasst. Dies kann sich zeigen als:

  • chronische Übererregung oder Erschöpfungs-/Kollapszustände
  • eingeschränkte Fähigkeit, Sicherheit wahrzunehmen
  • verminderte emotionale Flexibilität
  • erhöhte Sensitivität für zwischenmenschliche Signale

Die Unterstützung der Regulationsfähigkeit des Nervensystems ist ein zentraler, fortlaufender Bestandteil der Behandlung und nicht lediglich eine vorbereitende Phase.

Stationäre und ambulante Behandlungsrahmen

Abhängig von Komplexität, aktueller Stabilität und Risikoprofil kann die Behandlung erfolgen im Rahmen von:

  • Individualisierter stationärer Behandlung
  • Stationärer Behandlung in Kleingruppe (sofern klinisch angezeigt)
  • Ambulanter Behandlung und Continuity of Care

Die Wahl des Versorgungsniveaus orientiert sich an Erfordernissen von Schutz/Containment und Behandlungsbereitschaft – nicht allein an der Diagnose.

Wichtiger Hinweis zu Zeit und Erwartungen

Komplexe PTBS entsteht über Zeit – und auch die Behandlung benötigt Zeit. Es gibt keine festen Zeitpläne und keine einheitlichen Verläufe. Fortschritt wird unter anderem beurteilt anhand von:

  • verbesserter Regulation
  • erweiterter Beziehungsfähigkeit
  • reduzierter Reaktivität
  • größerer innerer Stabilität

Die Behandlung wird so getaktet, dass nachhaltige Veränderungen unterstützt werden, nicht kurzfristige Symptomreduktion um jeden Preis.

Nächste Schritte

Wenn Sie selbst oder eine nahestehende Person unter den Folgen langandauernder oder entwicklungsbezogener Traumatisierung leiden, kann unser Aufnahmeteam vertraulich orientieren und dabei unterstützen, klinisch angemessene nächste Schritte zu klären.