Komorbidität bezeichnet eine zusätzliche Erkrankung neben einer betrachteten Grunderkrankung. Körperliche und psychische Erkrankungen können gemeinsam auftreten. Multimorbidität meint mehrere längerfristige Erkrankungen bei einer Person, ohne zwingend eine als Grunderkrankung hervorzuheben. Das gemeinsame Auftreten beweist nicht, dass eine Erkrankung die andere verursacht hat.
Erfahren Sie in diesem Artikel, was Komorbiditäten sind und welche Typen sowie Ursachen es gibt.
Komorbiditäten: Definition
Komorbidität leitet sich von der englischen Bezeichnung comorbidity ab und beschreibt eine Begleiterkrankung. Komorbiditäten sind somit die Begleiterkrankungen, die als zusätzliche Krankheitsbilder zu einer Grunderkrankung vorliegen. So bestehen zum Beispiel Zusammenhänge zwischen seelischen Störungen, Ängsten, Depressionen und körperlichen Krankheiten. Für den Begriff Komorbidität werden auch Bezeichnungen, wie Co-Morbidität oder komorbide Störung verwendet.
Mehrere psychische Erkrankungen können gleichzeitig bestehen. Die Häufigkeit hängt von den Diagnosen, der untersuchten Gruppe und dem Zeitraum ab; ein allgemeingültiger Prozentsatz lässt sich daraus nicht ableiten.
Dabei besteht bei Erwachsenen ein hohe Komorbidität bei:
- Angststörungen
- Somatoforme Störungen
- Affektive Störungen, etwa Depressionen oder bipolare Störungen
- Substanzabhängigkeit
- Essstörungen
Bei Kindern und Jugendlichen kann eine komorbide Störung ebenfalls stark ausgeprägt sein. Gerade bei oppositionellen Verhaltensstörungen (ODD) können häufig Komorbiditäten festgestellt werden.
Narzissmus-Borderline Komorbidität
Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und eine Borderline-Persönlichkeitsstörung können gemeinsam vorkommen. Jede Diagnose erfordert eine eigenständige fachliche Beurteilung. Die Behandlung sollte die individuellen Beschwerden und Funktionsbeeinträchtigungen berücksichtigen.
Vulnerabler Narzissmus beschreibt Merkmale wie starke Kränkbarkeit und instabiles Selbstwertgefühl. Er ist nicht gleichbedeutend mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und lässt sich nicht aus einzelnen Verhaltensweisen diagnostizieren.
Komorbidität & Sucht
Eine Suchterkrankung kann gemeinsam mit psychischen oder körperlichen Erkrankungen auftreten. Doppeldiagnose meint meist eine Substanzgebrauchsstörung und eine weitere psychische Störung. Somatische Erkrankungen sind körperliche Erkrankungen, unabhängig davon, ob ihre Ursache bereits geklärt ist. Eine koordinierte Behandlung sollte alle relevanten Erkrankungen berücksichtigen.
Risiken hängen unter anderem von Substanz, Dosis, Konsumform, Mischkonsum und weiteren Erkrankungen ab. Die folgenden Beispiele sind keine zwangsläufigen Folgen:
- Psychoaktive Substanzen können Organe schädigen; die Art der Schäden ist substanzabhängig. Nicht jeder Konsum führt zu denselben Erkrankungen.
- Gemeinsam benutzte oder unsterile Injektionsutensilien erhöhen das Risiko für HIV, Hepatitis und bakterielle Infektionen.
- Cannabis und Kokain können psychotische Symptome auslösen. Auch bei Alkoholintoxikation oder -entzug können Halluzinationen auftreten. Neue Psychosen müssen rasch medizinisch beurteilt werden; schwere Verwirrtheit oder ein Entzugsdelir sind Notfälle.
Gemeinsame Risikofaktoren, Krankheitsfolgen, Behandlungseffekte und soziale Belastungen können beitragen. Unterschiede nach Alter oder Geschlecht hängen von den jeweiligen Diagnosen ab.
Körperliche und psychische Beschwerden können sich gegenseitig beeinflussen. Multimorbidität setzt aber keine bestimmte Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche voraus.
Neurologische Erkrankungen als Ursache
Psychische Störungen können die Begleiterscheinung für neurologische Erkrankungen sein:
- Bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose und Parkinson können Depressionen auftreten. Krankheitsprozesse, Belastungen und weitere Faktoren können beteiligt sein; Häufigkeitsangaben unterscheiden sich je nach Untersuchung.
- Tumorerkrankungen des zentralen Nervensystems: Wächst ein Tumor im Gehirn oder Rückmark übermäßig, kann es beispielsweise zu Demenz, Stimmungsschwankungen und auch einer Psychose kommen.
Komorbidität-Ursachen: Körperliche Erkrankungen
Körperliche Erkrankungen können zusammen mit Depressionen oder Angststörungen auftreten, etwa bei Herzkrankheiten, Diabetes oder COPD. Das gemeinsame Auftreten allein belegt keine einseitige Ursache. Neue psychische Beschwerden sollten gezielt untersucht werden.
Diabetes Mellitus
Neben Depressionen zeigen sich bei Diabetikern auch häufig Angststörungen. Auch zwischen Diabetes mellitus und Angststörungen bestehen Wechselwirkungen: Ängste können beispielsweise eine gute Blutzuckereinstellung und die Diabetesbehandlung insgesamt stark erschweren.
Herzkrankheiten
Bei Herzinsuffizienz können weitere Erkrankungen wie Nierenkrankheiten oder Diabetes vorliegen. Depressionen und Angststörungen sind ebenfalls möglich. Erschöpfung, Schlaf- und Appetitprobleme haben verschiedene mögliche Ursachen und müssen ärztlich eingeordnet werden.
Magen-Darm-Probleme
Stress kann Verdauungsbeschwerden verstärken, erklärt aber nicht automatisch Entzündungen oder Magengeschwüre. Häufige Ursachen von Magengeschwüren sind Helicobacter pylori und bestimmte entzündungshemmende Schmerzmittel. Anhaltende Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden.
Bei Reizdarm und Depression werden biologische und psychosoziale Zusammenhänge untersucht. Ein allgemeiner Serotoninmangel oder daraus folgender Verlust von Darmnervenzellen ist keine gesicherte Erklärung.
Die Darm-Hirn-Kommunikation umfasst Nervenbahnen, darunter den Vagusnerv, sowie hormonelle und immunologische Signale. Das Nervensystem des Darms steuert Verdauungsprozesse, denkt aber nicht eigenständig im menschlichen Sinn.
Unterschiede im Darmmikrobiom werden erforscht. Zusammenhänge beweisen nicht, dass fehlende Bakterien Depressionen verursachen, und liefern keinen Routinetest für Depression oder ADHS. Beide Erkrankungen lassen sich nicht einfach als Dopaminmangel definieren.
Ursachen Komorbidität: ADHS
ADHS kann gemeinsam mit weiteren Entwicklungsstörungen sowie psychischen oder körperlichen Erkrankungen vorkommen. Mögliche Beispiele sind:
Bei Kindern mit ADHS sind oft folgende komorbide Störungen zu beobachten:
- Lese-Rechtschreibstörungen
- Ticstörungen
- Migräne
- Rechenschwäche
- Koordinationsstörungen
- Angststörungen
- Sprachentwicklungsverzögerungen
- Psychosomatische Störungen
Bei Erwachsenen mit ADHS können unter anderem folgende zusätzliche Erkrankungen vorliegen:
- Depressionen
- Angststörungen
- Zwangsstörung
- Persönlichkeitsstörungen
- Schlafstörungen
- Suchterkrankungen
- Essstörungen
- Lernstörungen
Aufgrund der sich überschneidenden Symptome sind die einzelnen Komorbiditäten oft schwer zu diagnostizieren.
Komorbidität-Ursachen: Arzneimittel
Medikamente können als Nebenwirkung Verwirrtheit auslösen. Ein Delir ist eine akute Störung von Aufmerksamkeit und Bewusstsein und muss dringend medizinisch abgeklärt werden. Risiken hängen vom Präparat, Wechselwirkungen, Dosis, Alter und Gesundheitszustand ab.
Ein Serotonin-Syndrom kann durch serotonerge Medikamente entstehen, insbesondere bei bestimmten Kombinationen oder Dosisänderungen. Warnzeichen sind Unruhe oder Verwirrtheit zusammen mit Schwitzen, Fieber, Durchfall, Zittern, Muskelzuckungen oder Muskelsteife. Bei Verdacht sofort medizinische Hilfe holen; bei hohem Fieber, Krampfanfällen oder Bewusstseinsstörungen 112 anrufen.


