- Zwangsgedanken und Zwangshandlungen können den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen schwer beeinträchtigen.
- Sowohl für Betroffene als auch Angehörige nehmen Zwangsstörungen viel Energie und Zeit in Anspruch, da die Patienten unter starken Druck stehen und unter Ängsten leiden.
- Forschung und Praxis haben inzwischen gezeigt, dass Zwangsstörungen effektiv mit der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) behandelt und sogar geheilt werden können.
Zwangsgedanken und Zwangshandlungen können den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen schwer beeinträchtigen. Sowohl für Betroffene als auch Angehörige nehmen Zwangsstörungen viel Energie und Zeit in Anspruch, da die Patienten unter starken Druck stehen und unter Ängsten leiden. Die Folge können Depression und soziale Isolation sein. Forschung und Praxis haben inzwischen gezeigt, dass Zwangsstörungen effektiv mit der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) behandelt und sogar geheilt werden können. Dieses Verfahren wird in Kombination mit anderen Therapiebausteinen in einer Klinik für Zwangsstörungen angeboten. Hier gibt es in ganz Deutschland viele Angebote. Viele Betroffene und Angehörige fragen sich jedoch: “Was ist die beste Klinik für Zwangsstörungen?”.
Wir beantworten in diesem Artikel diese Frage und stellen die besten Kliniken vor.
Putzen, Händewaschen, Ordnunghalten und Grübelzwang-Zwangsgedanken können das Leben und die Handlungen der Betroffenen übernehmen. Bei der Zwangsstörung führen die Betroffenen Rituale und Zwangshandlungen aus, obwohl sie wissen, dass diese Handlungen unsinnig sind. In erster Linie beruhigen sich die Patienten mit den Handlungen gegen Zwangsgedanken bzw. lenken sich von den Gedanken durch Handlungen, wie zum Beispiel Waschzwang ab.
Unterteilt werden die störenden Gedanken in: Gesundheitsgefährdende Zwangsgedanken bezüglich Viren und Bakterien (Waschzwang), aggressive Zwangsgedanken (Befürchtungen, jemandem eine Gewalttat oder sexuell verwerfliche Dinge anzutun), Zwangsbefürchtungen (Unsicherheit, etwas vergessen oder etwas falsch gemacht zu haben), Zählzwang (Arithmomantie), Grübelzwang-Zwangsgedanken über bestimmte Themen und Erledigungszwangsgedanken.
Wie entstehen Zwangsgedanken?
Eine Zwangserkrankung wird über einen sich selbst verstärkenden Teufelskreis, der aus Gedankenschlaufen besteht, aufrechterhalten:
Es kommt ein Gedanke auf, wie zum Beispiel: “Habe ich den Backofen angelassen?”, dann erfolgt im Gehirn die Bewertung dieses Gedankens, wie zum Beispiel: “Wenn ich das getan habe, dann wird die Wohnung abbrennen. Ich muss handeln!”. Es kommt zu Angst und Unruhe. Nun kommt die Zwangshandlung zur Beruhigung ins Spiel und die Person kontrolliert, ob der Ofen wirklich aus ist. Die Person ist indessen “kurzzeitig” beruhigt, doch dann kommt wieder der Ursprungsgedanke auf: “Habe ich den Backofen angelassen?” und es folgt der gleiche Gedankengang immer und immer wieder.
Die Ursachen von Zwangsstörungen bzw. -gedanken beziehen sich in der Regel auf verschiedene Faktoren, die sich wie Mosaiksteine zusammensetzen und sind in der Regel:
- Genetische Faktoren
- Gestörter Neurotransmitterhaushalt im Gehirn
- Ungünstige Lernerfahrungen (meist schon im Kindes- und Jugendalter)
- Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale
Zwangserkrankungen sind in der Regel gut behandelbar und je schneller die Erkrankung erkannt sowie behandelt wird, desto besser die Prognose. Die effektive Therapie von Zwangsstörungen ist wichtig, da Zwänge eine starke Tendenz zur Chronifizierung oder Ausweitung auf andere mentale Krankheiten wie Depressionen haben können. Je früher die therapeutische Intervention also erfolgt, desto besser sind die Aussichten auf ein zwangsfreies Leben.
Mit der kognitiven Verhaltenstherapie kann man Zwangsgedanken behandeln. Diese Form der Psychotherapie ist bei Zwangserkrankungen die Therapiemaßnahme erster Wahl, was aus den aktuellen psychiatrischen Leitlinien hervorgeht. Bei der Behandlung wird der Patient den Zwangsinhalten ausgesetzt, was als Konfrontations- oder Expositionstherapie bezeichnet wird. Viele moderne Behandlungszentren bieten heutzutage die Weiterentwicklung der KVT namens Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) an. ACT enthält die wirksamsten Behandlungsbestandteile von KVT, hinzukommen jedoch Strategien zur Akzeptanz und Achtsamkeit sowie Interventionen zur Werteklärung. Dabei wird den Patienten vermittelt, wie sie ihr Leben nach ihren grundlegenden Werten leben können und es danach ausrichten.
Je nach individuellem Zustand des Patienten werden auch Medikamente eingesetzt. Dies kommt jedoch auf die Dauer, Intensität und Art der Symptome an. Entsprechend der S3-Behandlungsleitlinie für Zwangserkrankungen werden ergänzend selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) eingesetzt.
Eine Klinik für Zwangsstörungen ist in der Regel auch auf andere psychische Leiden spezialisiert. Dies kann ein großer Vorteil für die Patienten sein, da die Zwänge häufig zusammen mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten. Es kann außerdem schwierig sein, eine Zwangsstörung zu diagnostizieren, da die Symptome denen einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung, Angststörung, Depression, Schizophrenie oder anderen psychischen Krankheiten ähneln können. Zusätzlich ist es möglich, dass die Patienten an einer zugrundeliegenden mentalen Störung, wie zum Beispiel ADHS leiden. In spezialisierten Kliniken für Psychiatrie bestehen weitreichende Diagnoseverfahren, die es ermöglichen, dies herauszufinden.
Klinik & Zwangsstörung: Welche Therapieformen gibt es?
Therapieangebote bei Kliniken für Zwangserkrankungen können ambulant, teilstationär und stationäre sein. Es können in Deutschland jedoch lange Wartezeiten für einen stationären Therapieplatz bestehen. Bei Zwangsstörungen ist die ambulante Therapie in der Regel sehr hilfreich, da die Betroffenen möglicherweise die therapeutischen Anleitungen und Übungen besser in ihrem gewohnten Umfeld als in fremder Umgebung ausüben.
Die stationäre Therapie ist dann vorzuziehen, wenn die Patienten im ambulanten therapeutischen Alltag keinen Behandlungserfolg erzielen, da die Frequenz der Behandlungseinheiten unzureichend ist und ein intensiveres Programm folgen sollte. Die stationäre Behandlung ist bei akuter Suizidalität indiziert oder wenn konstante Betreuung notwendig ist, weil:
- Eine schwere psychiatrische oder somatische Erkrankungen vorliegen, die eine stationäre Behandlung benötigen. (schwere Depression)
- Keine familiärer oder soziale Unterstützung zu Hause vorhanden ist
Zwangsstörungen behandeln kann das therapeutische Fachpersonal, welches über genügend Erfahrung mit dem Krankheitsbild verfügt und in der Lage ist, eine vertrauensvolle Beziehung mit dem Patienten aufzubauen. Laut medizinischer Statistik ist die Kombination von mehreren therapeutischen Therapien am wirkungsvollsten. In einer etablierten Klinik für Psychiatrie, Psychologie und Psychosomatik wird in der Regel ein breitgefächertes Programm angeboten. Die folgenden Kliniken verfügen über weitreichende Erfahrungen mit Zwangskrankheiten und über gut ausgebildetes Personal:
Klinik Zwangsstörung: Schleswig-Holstein
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Die Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit Sitz in Hamburg verfügt über eine Station für Angst- und Zwangsstörungen. Das multiprofessionelle Team setzt sich zusammen aus einem Oberarzt, Stationsärzten, psychologischen Psychotherapeuten, verhaltenstherapeutisch geschultem Pflegepersonal, einem Sozialpädagogen sowie Ergo- und Bewegungstherapeuten.
Das Therapieangebot ist ambulant, teil-stationär und stationär. Zur Diagnose wird mit Internisten und Neurologen aus dem UKE zusammengearbeitet. Nach Diagnostik und Stimmungsstabilisierung erfolgt die individuelle Problem- und Zielanalyse. Die erste Phase der Behandlung ist die Verhaltenstherapie durch Expositionstraining mit Reaktionsmanagement. In Begleitung des Therapeuten werden Zwang auslösende Situationen durchgespielt und Bewältigungsstrategien erarbeitet. In der nächsten Phase der Behandlung wird das Selbstmanagement des Patienten optimiert. Die Therapiefortschritte werden durch Belastungsproben in den Alltag übertragen. Außerdem werden mit dem Therapeuten neue Lebensperspektiven erarbeitet.
Die Behandlung wird in Einzel- und Gruppentherapiesitzungen angeboten. Zusätzlich werden Therapiebausteine, wie z.B. Arbeitstherapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie, Elektrokonvulsionstherapie (EKT) und die Peer-Begleitung für Patienten und Angehörige angeboten.
Spezialklinik Zwangsstörung Nordrhein-Westfalen
Alexianer Berlin
Die Schwerpunktstation 7 St. Martin im Alexianer Krankenhaus in Berlin-Weißensee behandelt alle Arten von Zwangsstörungen, darunter vor allem schwere und chronische Verläufe. Es werden die ambulante und die stationäre Therapie mit einem auf den Patienten abgestimmten Therapiekonzept angeboten. Die stationäre Therapie umfasst ein mehrwöchiges Programm mit Einzel- und Gruppenpsychotherapie, medikamentöser Therapie, Expositionsübungen, Selbstsicherheitstraining und begleitenden Therapiebausteinen, wie Kunsttherapie, Lichttherapie, Logopädie, Musiktherapie und zum Beispiel Ohrakupunktur.
Fachklinik für Zwangsstörungen Bayern
Schön Klinik Roseneck
In der Schön Klinik Roseneck, einer Fachklinik für psychische Erkrankungen, gibt es die Fachabteilung für Zwangsstörungen, wo über 300 Patientinnen und Patienten mit Zwangsstörungen pro Jahr behandelt werden. Hier steht die stationäre Therapie im Vordergrund. Diagnostiziert und behandelt werden exzessive Zwangsgedanken und Zwangshandlungen als zentrale Symptome von Zwangsstörungen und deren Unterformen, wie zum Beispiel körperdysmorphe Störungen (KDS), Dermatillomanie (Skin Picking), Trichotillomanie und Hypochondrie. Da Zwangserkrankungen oft im Jugendalter auftreten, werden in der Klinik ebenfalls Patienten unter 18 Jahren behandelt. Die Behandlung basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie in Einzel- und Gruppentherapie.
Therapiebausteine der Klinik für Zwangsstörungen:
- Förderung des Krankheitsverständnisses
- Zwangsexpositionen mit Reaktionsmanagement
- Video begleitete Heimexpositionen
- Strategien im Umgang mit Zwangsgedanken
- Achtsamkeitsbasierte Therapie (ACT)
- Angehörigengespräche
- Beratung durch Sozialarbeiter
- spezifische Zwangsbewältigungsgruppen
- Normalisierung der Alltagsgestaltung in Gruppen
- Behandlung zusätzlicher Erkrankungsbilder (zum Beispiel Depressionen, soziale Phobie, posttraumatische Belastungsstörung/PTBS)
- Therapeutisches Klettern
- Peer-Therapie mit ehemaligen Betroffenen einer Zwangserkrankung
Allgemein werden in dieser Klinik für die Patienten auch Maßnahmen, wie Biofeedback, pferdegestützte Therapie, Physiotherapie, Entspannungsverfahren und weitere Bausteine angeboten.
Klinik Zwangsstörung: Baden-Württemberg
Universitätsklinik Freiburg
Die Station 6 des Universitätsklinikums Freiburg ist eine Fachklinik für Zwangsspektrumserkrankungen. In der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie setzt man sich seit 1992 mit Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, Ticstörungen, Trichotillomanie, Tourette-Syndrom und weitere Störungen der Impulskontrolle auseinander. Behandelt werden dort jedoch auch andere mentale Störungen, wie zum Beispiel ADHS bei Erwachsenen, Angststörungen usw.
Sowohl im Bereich Behandlung als auch im Bereich Forschung ist die Klinik eine der Führenden in Deutschland. Zu den Behandlungen zählen die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), eine moderne Weiterentwicklung der klassischen KVT. Es werden auch im Rahmen der Forschung Therapien wie Schematherapie und EMDR eingesetzt. Ambulante Therapieplätze werden über die Institutsambulanz vermittelt. Bezüglich der stationären Therapie besteht zwischen Vorgespräch in der Ambulanz und Therapieplatz eine Wartezeit von 6 Monaten.
Klinik Zwangsstörungen & mehr: The Balance
The Balance ist eine Fachklinik für psychische Krankheiten, die aufgrund ihres hohen Standards als Luxusklinik bezeichnet wird. Sie hat ihren Sitz auf Mallorca in einer Luxusresidenz mit hohem Freizeitwert. Dem Patienten wird beim Aufenthalt ein Chauffeur bereitgestellt. Die Behandlungen von Zwangsstörungen erfolgt über mehrere Wochen im Rahmen der stationären Therapie. The Balance wartet mit einem ganzheitlichen Konzept auf, das direkt auf den Patienten abgestimmt ist. Der Patient erhält dabei ein intensives Programm mit rund-um-die-Uhr-Betreuung und Einzeltherapie. Neben medizinischer Betreuung wird nach den neuesten psychotherapeutischen Konzepten gearbeitet. Es wird eine biochemische Restauration zur Wiederherstellung des körperlichen Gleichgewichts beim Patienten durchgeführt. Außerdem bietet die Klinik Kreativ- und Bewegungstherapien, holistische Therapien, Entspannungsmethoden und weitere umfassende sowie maßgeschneiderte Therapiebausteine an. Die Zielgruppe sind in der Regel Privatversicherte und Selbstzahler, die auf eine schnelle Genesung
angewiesen sind.
Wenn es sich bei der Krankheit um eine “psychische Störung mit Krankheitswert” handelt, dann übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland in der Regel die gesamten Behandlungskosten. Eine Voraussetzung ist jedoch, dass die Klinik die Therapie entsprechend den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde oder DGPPN anwendet. Wenn die Symptome der Zwangsstörung den Alltag der Betroffenen stark einschränken, so fällt die Erkrankung unter die Bezeichnung psychische Störungen mit “Krankheitswert”.
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