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Feiertage im Einklang mit der Genesung planen
Praktische Feiertagsplanung, klare Grenzen und unterstützende Treffen: begleitend zu Laura Beigels RND-Interview mit Dr. Sarah Boss von THE BALANCE.
Laura Beigel interviewte Dr. Sarah Boss von THE BALANCE für RND über Alkohol und die Feiertage. Der Herausgeber bezeichnet den Beitrag als Interview und datiert ihn auf den 23. Dezember 2025. Die deutschsprachige Originalberichterstattung ist oben verlinkt.
Eine Einladung kann mehr bedeuten als ein Datum und eine Adresse. Sie kann mit vertrauten Trinkritualen, familiären Erwartungen, Reisen oder der Aussicht verbunden sein, mehreren Menschen gleichzeitig eine private Entscheidung erklären zu müssen. Für jemanden, der seine Genesung schützen möchte, beginnt eine hilfreiche Vorbereitung oft schon vor dem Treffen und reicht über den Zeitpunkt hinaus, an dem die Gäste nach Hause gegangen sind.
In einem RND-Interview spricht Laura Beigel mit Dr. Sarah Boss von THE BALANCE darüber, wie sich Feiertage gestalten lassen, wenn Alkohol Anlass zur Sorge gibt. Dieser begleitende Beitrag formuliert praktische Planungsfragen für Gäste und Gastgeber und berücksichtigt dabei, dass die Bedürfnisse während der Genesung individuell unterschiedlich sind.
Das Ziel ist nicht, ein perfektes Fest zu garantieren. Vielmehr sollen Entscheidungen klarer werden: ob Sie teilnehmen, wie lange Sie bleiben, welche Unterstützung verfügbar sein wird und was geschieht, wenn sich die Situation verändert. Ein durchdachter Plan kann auch die Privatsphäre schützen. Es sollte möglich sein, ein Getränk abzulehnen oder eine Veranstaltung zu verlassen, ohne allen Anwesenden umfassend über die eigene Gesundheit Auskunft geben zu müssen.
Vier Fragen zur Vorbereitung
Passt dieses Treffen zu meinem derzeitigen Genesungsplan, und unter welchen Bedingungen wäre eine Teilnahme möglich?
Wie komme ich hin und wieder zurück, und wie erreiche ich bei Bedarf Unterstützung?
Was möchte ich dem Gastgeber mitteilen, und welche Informationen sollen privat bleiben?
Was hilft mir, nach der Veranstaltung zu meinen gewohnten Unterstützungsangeboten und Routinen zurückzukehren?
Entscheiden Sie, wie eine Teilnahme realistisch aussehen kann
Gehen Sie von der konkreten Veranstaltung aus, statt von der Vorstellung, dass alle auf dieselbe Weise feiern müssen. Wer wird dort sein? Wie läuft das Treffen üblicherweise ab? Steht Alkohol im Mittelpunkt, oder ist er nur ein Teil eines umfassenderen Anlasses? Berücksichtigen Sie Ihre aktuelle Situation und alle Vereinbarungen mit den Fachkräften oder dem Unterstützungsnetzwerk, die Sie bei Ihrer Genesung begleiten.
Teilnahme bedeutet nicht nur, den ganzen Abend zu bleiben oder sich während der Feiertage vollständig zurückzuziehen. Sie könnten zu einer Mahlzeit dazukommen, einen Angehörigen früher am Tag treffen, einen gesonderten Besuch vereinbaren oder eine andere Aktivität wählen. Das sind praktische Möglichkeiten, die Sie erwägen können, keine Rangfolge Ihres Engagements für Familie oder Genesung. Welche Entscheidung angemessen ist, kann sich von Jahr zu Jahr ändern.
Wenn Sie sich gegen eine Teilnahme entscheiden, teilen Sie dies so klar mit, dass die Entscheidung nicht immer wieder neu verhandelt wird. Sie können Ihre Verbundenheit ausdrücken und eine Alternative anbieten, ohne jeden Grund zu erklären. Jemand, der Sie unterstützen möchte, kann dazu beitragen, diese Alternative sinnvoll zu gestalten. Es geht darum, den Kontakt in einer Form zu bewahren, die Ihren Bedürfnissen entspricht, statt die Teilnahme an einer bestimmten Veranstaltung als Beweis für Loyalität zu betrachten.
Planen Sie die Einzelheiten, die ein Gehen ermöglichen
Die An- und Abreise kann darüber bestimmen, wie viel Entscheidungsspielraum Sie nach Beginn einer Veranstaltung haben. Überlegen Sie, ob Sie von jemandem abhängig sind, der möglicherweise lange bleiben möchte, ob eine Fahrmöglichkeit verfügbar sein wird und wohin Sie gehen können, wenn Sie früher als erwartet aufbrechen. Ein Plan, der auf dem Papier funktioniert, sollte auch zur betreffenden Uhrzeit und am jeweiligen Ort umsetzbar sein.
Legen Sie eine ungefähre Aufbruchszeit fest, wenn Ihnen das hilft. Sie müssen nicht warten, bis der Abend schwierig wird, um sich daran zu halten. Teilen Sie die Vereinbarung einer vertrauten Person mit und entscheiden Sie, ob eine kurze Rückmeldung sinnvoll wäre. Halten Sie den Plan so einfach, dass Sie ihn im Kopf behalten können, ohne wiederholt auf Ihr Telefon zu schauen oder das Treffen zu einer Kontrollübung werden zu lassen.
Bei einem Besuch mit Übernachtung sollten Sie die räumlichen Möglichkeiten und die Planung für den nächsten Tag berücksichtigen. Können Sie sich für ein vertrauliches Telefonat zurückziehen? Fühlen Sie sich mit der Schlafsituation wohl? Was geschieht, wenn Sie den Besuch verkürzen möchten? Solche Einzelheiten zu durchdenken, gehört zur normalen Planung. So können Sie sich stärker auf die Menschen konzentrieren, die Sie sehen möchten, weil Sie unter Druck weniger Entscheidungen improvisieren müssen.
Wenn Sie mit Kindern oder einer Person reisen, die auf Sie angewiesen ist, berücksichtigen Sie deren Bedürfnisse im Plan für die Abreise. Klären Sie, wer helfen kann, was eingepackt werden muss und ob ein früher Aufbruch ein Problem verursachen würde, das sich vorab lösen lässt. Verlassen Sie sich nicht auf die vage Zusage, dass sich schon jemand kümmern werde. Eine konkrete Vereinbarung macht allen deutlicher, welche Aufgaben sie übernehmen, und verringert den Druck, allein deshalb zu bleiben, weil die Organisation kompliziert erscheint.
Unterstützung durch Gastgeber konkret gestalten
Ein Gastgeber möchte vielleicht helfen, weiß aber nicht genau, was das bedeutet. Wenn Sie möchten, nennen Sie einige praktische Wünsche: eine ansprechende alkoholfreie Alternative, keine Erklärung vor allen Anwesenden oder die Möglichkeit, ohne lange Verabschiedung zu gehen. Teilen Sie nur mit, was notwendig ist. Ihre gesundheitliche Vorgeschichte muss nicht Teil des Gesprächs über die Veranstaltungsplanung werden.
Für Gastgeber gilt: Bieten Sie Auswahlmöglichkeiten an, ohne die Entscheidung des Gastes in den Mittelpunkt zu stellen. Beschreiben Sie Getränke eindeutig, halten Sie Alkohol nach Möglichkeit von anderen Zutaten getrennt und fragen Sie unter vier Augen nach Vorlieben. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Ersatzgetränk, das einem alkoholischen Getränk ähnelt, für jeden geeignet ist. Der Gast kann selbst entscheiden, was sich für ihn passend anfühlt. Eine aufmerksame Frage ist hilfreicher als eine Überraschung, die als besondere Lösung präsentiert wird.
Denken Sie neben dem Menü auch an die Aktivitäten. Ein Spaziergang, ein Spiel, gemeinsames Kochen oder ein Treffen tagsüber können einen gemeinsamen Mittelpunkt schaffen, der nicht vom Alkoholkonsum abhängt. Diese Möglichkeiten sollten angeboten werden, weil sie Freude machen, nicht als öffentliche Intervention für eine einzelne Person. Gute Gastfreundschaft ermöglicht eine angenehme Teilnahme und überlässt jedem Gast die Entscheidung darüber, was er von sich preisgibt.
Unterstützung vereinbaren, bevor sie benötigt wird
Das Planungsarbeitsblatt des National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism regt dazu an, Situationen zu erkennen, die ein Verlangen auslösen, und mögliche Reaktionen vorzubereiten. Ein individueller Plan kann gemeinsam mit einer behandelnden Fachkraft oder einer anderen geeigneten Unterstützungsperson entwickelt werden. Die Vorbereitung auf die Feiertage sollte sich in diese bestehende Arbeit einfügen, statt sie durch eine allgemeine Checkliste zu ersetzen.
Wählen Sie eine Kontaktperson, die ihrer Erreichbarkeit zugestimmt hat, und klären Sie, was diese Erreichbarkeit bedeutet. Jemand kann möglicherweise auf eine kurze Nachricht antworten, aber während einer eigenen Familienfeier keine durchgehende Unterstützung leisten. Legen Sie bei Bedarf eine weitere Möglichkeit fest. Wenn professionelle Angebote oder Gruppentreffen zu Ihrer Routine gehören, prüfen Sie Zeiten und Regelungen für die Feiertage im Voraus, statt davon auszugehen, dass alles unverändert bleibt.
Benennen Sie konkret, um welche Hilfe Sie bitten. Vielleicht wünschen Sie sich jemanden, der zuhört, Sie an Ihren Plan für den Aufbruch erinnert oder bei der Organisation einer Fahrt hilft. Diese Person muss nicht für jedes aufkommende Gefühl eine Lösung finden. Wenn Sie jemand anderen unterstützen, fragen Sie, welche Rolle Sie übernehmen sollen, und respektieren Sie die Antwort. Verlässlichkeit und klare Erwartungen sind hilfreicher, als die Kontrolle über den gesamten Abend zu übernehmen.
Bereiten Sie sich auf Druck vor, ohne einen Streit einzuüben
Jemand bietet Ihnen vielleicht wiederholt ein Getränk an, stellt eine persönliche Frage oder deutet Ihren Aufbruch als Kritik. Bereiten Sie eine kurze Antwort vor, die zu Ihrer eigenen Ausdrucksweise passt. Sie können ablehnen, Ihren Wunsch benennen und das Gespräch auf ein anderes Thema lenken. Eine Grenze wird nicht dadurch berechtigter, dass Sie sie ausführlich erklären. Sie müssen auch nicht erst alle davon überzeugen, sie zu verstehen, bevor Sie entsprechend handeln.
Wenn die Situation anhält, nutzen Sie die praktischen Möglichkeiten, die Sie vorbereitet haben. Wenden Sie sich einem anderen Gespräch zu, bitten Sie den Gastgeber um Hilfe, rufen Sie Ihre vereinbarte Kontaktperson an oder gehen Sie. Die Entscheidung sollte sich daran orientieren, was Sie in diesem Moment brauchen. Zu bleiben, um zu beweisen, dass Sie Druck aushalten können, ist keine Voraussetzung für die Teilnahme an einer Feier.
Gastgeber und Angehörige können dies erleichtern, indem sie die erste Antwort akzeptieren. Vermeiden Sie Witze über Willenskraft, Aufforderungen, doch nur ein Glas zu trinken, oder Bitten um eine Ausnahme, weil der Anlass besonders sei. Wenn ein anderer Gast aufdringlich wird, lenken Sie ihn ab, statt von der Person in Genesung zu verlangen, die Situation für alle zu regeln. Respekt zeigt sich oft in einem beiläufigen Themenwechsel und darin, eine unnötige Forderung unaufgeregt zurückzunehmen.
Beziehen Sie den Tag danach in die Planung ein
Mit dem Ende eines Treffens enden nicht immer auch seine Anforderungen. Reisen, veränderte Tagesabläufe, familiäre Spannungen oder Enttäuschung über den Verlauf können weiterhin Aufmerksamkeit erfordern. Lassen Sie Raum, um zu regelmäßigen Mahlzeiten, Ruhe, Terminen und dem Kontakt mit unterstützenden Menschen zurückzukehren. Ein weniger voller Kalender im Anschluss kann eine praktische Form der Vorbereitung sein.
Blicken Sie auf die Erfahrung zurück, ohne sich an der Vorstellung idealer Feiertage zu messen. Was hat funktioniert? Welche Vereinbarung hat gefehlt? Hat jemand eine Grenze auf eine Weise respektiert, die Sie sich erneut wünschen würden? Nutzen Sie diese Beobachtungen, um den nächsten Plan anzupassen. Wenn Sie Alkohol getrunken haben oder sich gefährdet fühlen, wenden Sie sich zeitnah an die geeignete Unterstützung, statt damit bis nach den Feiertagen zu warten.
Trennen Sie Ihren Rückblick von einer familiären Nachbesprechung, die in einen Streit mündet. Sie können Ihre Erfahrungen zunächst mit einer vertrauten Unterstützungsperson betrachten. Entscheiden Sie, ob Sie dem Gastgeber etwas mitteilen möchten, etwa Dank für eine aufmerksame Vorkehrung oder die Bitte, beim nächsten Mal etwas zu ändern. Eine schwierige Veranstaltung macht es nicht erforderlich, sofort jede künftige Feier neu zu gestalten. Beginnen Sie mit dem Detail, das es Ihnen erleichtern würde, die nächste Einladung einzuschätzen und ehrlich zu beantworten. Eine konkrete praktische Vereinbarung kann diese Entscheidung weniger kompliziert machen.
Menschen, bei denen das Risiko eines Alkoholentzugs besteht, benötigen eine medizinische Planung, statt den Konsum eigenständig abrupt einzustellen; der NIAAA-Leitfaden zur Veränderung von Trinkgewohnheiten erläutert diesen Sicherheitsaspekt. Die Unterstützung während der Genesung sollte zu den individuellen Umständen passen. Ein gelungener Feiertagsplan lässt Raum für angemessene Behandlung und Betreuung, ehrliche Kommunikation und den nächsten hilfreichen Schritt – auch dann, wenn die Feier nicht genau wie erwartet verläuft.
Vorgestellte mitwirkende Person
Dr. Sarah Boss
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