Gulf News · Redaktionelle Betrachtungen
Gespräche in Führungspositionen, die Raum für Gesundheit lassen
Praktische Anregungen zu Privatsphäre, Identität und Entscheidungen, die Führungskräfte besprechen können, wenn die eigene Gesundheit Aufmerksamkeit braucht.
GN Talks stellt Abdullah Boulad, Gründer und CEO von THE BALANCE, vor. Alena Khalifeh wird im begleitenden Artikel von Gulf News als verfassende Person genannt; das Video stammt vom offiziellen Kanal von Gulf News.
Eine Führungsposition kann einem persönlichen Gespräch einen ungewohnt öffentlichen Charakter geben. Eine Entscheidung zur eigenen Gesundheit scheint dann möglicherweise damit verknüpft, wie das Kollegium die eigene Verlässlichkeit beurteilt, wie die Familie Verantwortung versteht oder wie man sich selbst sieht. Dabei kann das erste hilfreiche Gespräch einen überschaubaren Rahmen haben: Was ist schwierig geworden, wer muss davon wissen und welche Unterstützung würde die nächste Entscheidung erleichtern?
In einem GN Talks-Interview mit Gulf News spricht der Gründer von THE BALANCE, Abdullah Boulad, über psychische Gesundheit und Führung. Das verifizierte Video begleitet diesen eigenständigen redaktionellen Beitrag, der sich damit befasst, welche Gespräche eine Führungskraft im eigenen Leben vorbereiten kann. Im Mittelpunkt stehen die Wahl einer geeigneten zuhörenden Person, die Trennung persönlicher und organisatorischer Fragen sowie der Raum für eine Identität jenseits der beruflichen Rolle. Dies sind praktische Anregungen zur Reflexion, keine Behauptung, dass alle Führungskräfte dieselben Erfahrungen machen oder dieselbe Art von Unterstützung benötigen.
Vier Fragen zur Vorbereitung
Welcher Teil dieses Anliegens ist persönlich, und welcher betrifft die Arbeit?
Wer kann zuhören, ohne dass ich mich um dessen Reaktion kümmern muss?
Was möchte ich mitteilen, und was möchte ich lieber für mich behalten?
Welche Entscheidung würde mir mit angemessener Unterstützung leichter fallen?
Trennen Sie die Person von ihren Verantwortlichkeiten
Unterscheiden Sie zunächst zwischen dem, was Sie erleben, und den Entscheidungen, die andere von Ihnen benötigen. Vielleicht fühlen Sie sich unsicher, müde oder wegen einer gesundheitlichen Veränderung besorgt. Unabhängig davon braucht die Organisation möglicherweise Klarheit über einen Termin, eine Zuständigkeit oder einen Zeitraum Ihrer Verfügbarkeit. Wenn alles in einem einzigen Gespräch zusammenkommt, kann es schwierig werden zu erkennen, um welche Frage es gerade tatsächlich geht.
Schreiben Sie Ihr persönliches Anliegen zunächst in Ihren eigenen Worten auf, bevor Sie daraus eine Mitteilung für den Arbeitsalltag formulieren. Vielleicht benötigen Sie Hilfe, um eine anhaltende Belastung zu verstehen, während das Kollegium lediglich wissen muss, dass eine bestimmte Entscheidung künftig über eine andere Person läuft. Beide Themen verdienen Aufmerksamkeit, betreffen aber unterschiedliche Informationen und möglicherweise unterschiedliche Gesprächspartner.
Diese Trennung schafft auch Raum, eine fachliche Abklärung zu suchen, ohne zuvor einen vollständigen Arbeitsplan erstellen zu müssen. Das National Institute of Mental Health empfiehlt professionelle Hilfe, wenn Stress oder Angst das Leben beeinträchtigen, anhalten oder sich nur schwer bewältigen lassen. Dass Sie einige Ihrer Aufgaben erfüllen können, beantwortet nicht jede gesundheitliche Frage. Sie können einer qualifizierten Fachperson Ihr Erleben schildern, während die praktischen Auswirkungen noch bedacht werden. Ziel dieses Gesprächs sind Verständnis und angemessene Unterstützung – nicht der Nachweis, dass Ihre Schwierigkeiten ein bestimmtes, nach außen sichtbares Ausmaß erreicht haben.
Wählen Sie eine zuhörende Person passend zu dem Gespräch, das Sie brauchen
Verschiedene Menschen können unterschiedliche Formen der Unterstützung bieten. Eine vertraute Person aus Ihrem Freundeskreis kann Ihnen helfen, ein Erlebnis in Worte zu fassen. Eine klinische Fachperson kann ein gesundheitliches Anliegen beurteilen. Jemand aus dem Kollegium kann bei einer praktischen beruflichen Entscheidung helfen. Überlegen Sie, welche Rolle Sie benötigen, bevor Sie entscheiden, wen Sie ansprechen. Die Erwartung, dass eine Person alle drei Arten von Hilfe leistet, kann dazu führen, dass wichtige Fragen unbeantwortet bleiben.
Fragen Sie sich, ob die Person zuhören kann, ohne das Gespräch sofort zu einer betrieblichen Problemstellung zu machen. Vielleicht wünschen Sie sich einen Rahmen, in dem Sie andere nicht hinsichtlich der Kontinuität beruhigen, Ihre Kompetenz verteidigen oder bereits eine Lösung anbieten müssen, bevor Sie Ihr Anliegen vollständig geschildert haben. Erläutern Sie zu Beginn des Gesprächs, was Ihnen helfen würde.
Sie könnten beispielsweise eine befreundete Person bitten zuzuhören, während Sie Ihre Gedanken ordnen, und anschließend besprechen, ob Sie Rat wünschen. Bei einer Fachperson könnten Sie mit der Veränderung beginnen, die Sie bemerkt haben, und mit der Frage, die Sie abklären lassen möchten. Im Gespräch mit jemandem aus dem Kollegium könnten Sie sich auf eine Aufgabe konzentrieren, die übertragen werden muss. Eine zuhörende Person bewusst auszuwählen, macht das Gespräch nicht künstlich. Es hilft Ihrem Gegenüber zu verstehen, wie es reagieren kann, und gibt Ihrem Anliegen einen Rahmen, der zu der benötigten Art von Aufmerksamkeit passt.
Sie können Ihr Gegenüber auch bitten, zunächst zu überprüfen, ob es Sie richtig verstanden hat, bevor es eine Lösung vorschlägt. Eine kurze Rückmeldung kann zeigen, dass die Person eine Frage zur Terminplanung gehört hat, obwohl Sie Einsamkeit beschrieben haben, oder eine Bitte um Rat, obwohl Sie Raum zum Nachdenken wollten. Diesen Unterschied früh zu klären, schafft für beide eine treffendere Ausgangsbasis für das Gespräch.
Legen Sie fest, was Privatsphäre konkret bedeutet
Privatsphäre lässt sich leichter schützen, wenn Sie konkret festlegen, was sie umfasst. Entscheiden Sie, wer wissen darf, dass Sie Unterstützung suchen, was diese Personen weitergeben dürfen und welche Einzelheiten zwischen Ihnen und der jeweiligen Fachperson bleiben. Eine vage Bitte, alles vertraulich zu behandeln, kann für verschiedene Menschen Unterschiedliches bedeuten. Eine klare Vereinbarung verringert die Notwendigkeit, dass andere Vermutungen anstellen.
Vielleicht ist es für Sie in Ordnung, einem kleinen Kreis mitzuteilen, dass Sie sich um Ihre Gesundheit kümmern, während Sie den Anlass und Einzelheiten der Behandlung für sich behalten. Andere entscheiden sich möglicherweise für ein offeneres Gespräch. Keine dieser Entscheidungen muss zu einer dauerhaften Regel für jede Beziehung werden. Sie können getrennt entscheiden, welche Informationen Sie sinnvollerweise mit Ihrer Familie, Ihrem Kollegium, Ihrem Freundeskreis und professionellen Beratungspersonen teilen möchten.
Wenn eine Person mehrere Rollen in Ihrem Leben hat, besprechen Sie, welche Rolle sie gerade einnimmt. Bei einer geschäftlichen Partnerschaft, die zugleich eine Freundschaft ist, kann es wichtig sein zu verstehen, wann Sie persönliche Unterstützung suchen und wann Sie eine organisatorische Entscheidung treffen. Klären Sie, welche Informationen aus dem Gespräch weitergegeben werden dürfen und worüber zunächst erneut gesprochen werden muss. Sie können diese Wünsche später anpassen. Ziel ist, genügend Klarheit über die Weitergabe von Informationen zu schaffen, damit Sie offen sprechen können, ohne das Gefühl zu haben, jeder Satz werde automatisch Teil einer Mitteilung an einen größeren Kreis.
Lassen Sie im Gespräch auch Unsicherheit zu
Eine Führungsrolle kann bedeuten, Fragen zu beantworten, eine Richtung vorzugeben und Entscheidungen auf Grundlage unvollständiger Informationen zu treffen. Ein persönliches Gespräch über Gesundheit verlangt nicht dasselbe Auftreten. Sie können sagen, dass Sie noch nicht verstehen, was geschieht, oder dass Sie unsicher sind, welche Art von Hilfe Sie benötigen. Auch diese Unsicherheit ist eine Information, mit der eine zuhörende Person oder eine klinische Fachperson arbeiten kann.
Vermeiden Sie eine ausgefeilte Darstellung, die gerade jene Aspekte auslässt, die Ihnen am schwersten zu erklären fallen. Ein kurzes, zutreffendes Beispiel kann hilfreicher sein als eine selbstsicher vorgetragene Theorie. Sie könnten eine wiederkehrende Schwierigkeit beschreiben, eine Veränderung, die einer nahestehenden Person aufgefallen ist, oder eine Diskrepanz zwischen Ihrem äußeren Auftreten und Ihrem inneren Erleben. Lassen Sie Ihr Gegenüber Fragen stellen, bevor Sie festlegen, wie Ihre Schilderung zu deuten ist.
Wenn Sie bemerken, dass Sie die Reaktion Ihres Gegenübers steuern, kehren Sie zum Zweck des Gesprächs zurück. Vielleicht müssen Sie sagen, dass Zuspruch willkommen ist, Sie aber auch Zeit brauchen, um Ihr Anliegen vollständig zu schildern. Ein hilfreiches Gespräch kann mit einer klareren Frage statt mit einer vollständigen Lösung enden. Vereinbaren Sie, was als Nächstes geschieht – ob eine Abklärung organisiert wird, ein weiteres Gespräch stattfindet oder eine praktische Veränderung erwogen wird. Verständnis kann sich über mehrere Gespräche hinweg entwickeln.
Schaffen Sie Raum für Interessen, die keine Führungsrolle verlangen
Denken Sie an die Lebensbereiche, in denen Sie weder anleiten noch entscheiden oder eine Organisation vertreten müssen. Dazu können Freundschaften, Familie, Lernen, kreative Tätigkeiten oder einfach Zeit gehören, die keinem beruflichen Zweck dient. Fragen Sie sich, was davon Ihnen wichtig ist und wofür es schwierig geworden ist, Raum zu finden. Es geht darum, Ihre Prioritäten zu reflektieren, nicht um eine Vorgabe für einen bestimmten Lebensstil.
Wählen Sie ein alltägliches Beispiel statt einer ehrgeizigen Neuerfindung Ihrer selbst. Vielleicht möchten Sie an einem Gespräch teilnehmen, ohne nebenbei Berufliches zu prüfen, ein früher gern gepflegtes Interesse wieder aufnehmen oder Zeit mit jemandem verbringen, der Sie außerhalb Ihrer Rolle kennt. Erläutern Sie Ihre Absicht allen, deren Mitwirkung dafür erforderlich ist. Halten Sie die Vereinbarung so überschaubar, dass Sie im Alltag prüfen können, wie sie sich bewährt.
Achten Sie darauf, ob Sie aus der Tätigkeit eine weitere Leistungsanforderung machen. Falls das geschieht, fragen Sie sich, was Sie sich davon erhofft haben und ob diese Erwartung angemessen ist. Ein persönliches Interesse muss nicht zum Beleg dafür werden, dass Ihre Genesung richtig verläuft. Es kann einfach Teil des Lebens sein, über das Sie sprechen und dem Sie Raum geben möchten. Wenn ein gesundheitliches Problem Ihre Möglichkeit beeinträchtigt, sich einer solchen Tätigkeit zu widmen, besprechen Sie diese Erfahrung mit Ihrer behandelnden Fachperson, statt sie als weiteres Disziplinversagen zu betrachten.
Beenden Sie das Gespräch mit einer klaren nächsten Entscheidung
Benennen Sie am Ende eines Gesprächs die nächste Entscheidung und wer dabei helfen kann. Sie kann persönlicher, klinischer oder organisatorischer Art sein. Grenzen Sie ihren Umfang klar ab. Einen Termin zu vereinbaren ist etwas anderes, als eine Abwesenheit anzukündigen; jemanden um Zuhören zu bitten ist etwas anderes, als dieser Person die Verantwortung für einen Plan zu übertragen. Den Schritt ausdrücklich zu benennen, hilft allen zu verstehen, was tatsächlich vereinbart wurde.
Wenn mehrere Themen aufgekommen sind, entscheiden Sie, welches zuerst Aufmerksamkeit benötigt und in welchem Rahmen die übrigen besprochen werden. Sie müssen nicht in einem einzigen Gespräch Ihr gesamtes Verhältnis zur Führungsrolle klären. Notieren Sie die unbeantworteten Fragen, damit sie nicht verloren gehen, und wählen Sie einen angemessenen Zeitpunkt, um darauf zurückzukommen. Angemessene Unterstützung kann mehrere Personen mit unterschiedlichen Verantwortlichkeiten einbeziehen.
Prüfen Sie, ob Ihr gesundheitliches Anliegen im Gespräch genügend Raum bekommen hat, ohne anderen Anforderungen untergeordnet zu werden. Eine Führungskraft bleibt ein Mensch, dessen Erleben sorgfältige Aufmerksamkeit verdient, auch wenn viele andere von den eigenen Entscheidungen abhängen. Klare Grenzen, geeignete zuhörende Personen und konkrete nächste Schritte können helfen, dieser Aufmerksamkeit im Alltag Raum zu geben. Ziel ist, mit ausreichenden Informationen und angemessener Unterstützung an Entscheidungen mitzuwirken, die Ihr Leben betreffen. Zugleich sollen Unsicherheit und persönliche Bedürfnisse angesprochen werden können, ohne daraus einen öffentlichen Auftritt zu machen.
Vorgestellte mitwirkende Person
Abdullah Boulad
Gründer und CEO von THE BALANCE
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